400 Euro Grundrente für jeden?

Versicherungen von Markus Rieksmeier

Geht es nach dem Würzburger Ökonomen, dann wäre eine fixe Grundrente in Kombination mit dem heutigen Beitragssystem ein gerechter wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Kompromiss.

Zurzeit besteht nach Ansicht von Professor Hans Fehr im Rentensystem eine Ungerechtigkeit. Diejenigen, die normal verdienen, können ihre Gesetzliche Rente durch Beiträge selbst finanzieren. Viel Einkommen bedeutet viel Rente, und umgekehrt. Dieses Proportionalitäts-Prinzip hält Fehr für nicht angemessen. Zwar sorgten die Menschen durch das Beitragsprinzip für sich selbst; es gäbe aber keine gesellschaftliche Umverteilung zwischen arm und reich.

Zum Beispiel gelte das Proportional-Prinzip bei der Steuer nicht, erläutert Fehr in einem Aufsatz des „European Economic Review“, über den das „Handelsblatt“ (HB) berichtet. Steuern zahle jeder nach seiner Leistungsfähigkeit ein, aber Arm und Reich bekommen dieselben staatlichen Leistungen; nutzen dasselbe Schwimmbad und dieselben Straßen. Fehr hält dieses System für gerechter: „Unser Rentensystem bietet keinerlei Versicherung dafür, dass man Pech hat im Leben“, wird er zitiert.

Mix aus Sicherheit und Leistungsanreiz
So wisse ein heute 20-Jähriger nicht, was das Leben ihm bringe. Und würde man diesen jungen Menschen fragen, was für ein Rentensystem er sich wünsche, würde er laut Professor Fehr „solide Altersbezüge im mittleren Bereich“ wählen. Eine Art Grundrente entspreche dem Sicherheitsbedürfnis der Menschen, meint Fehr. Da aber eine Grundrente Arbeitsanreize nehme, bräuchte an ein System aus Grundrente (Sicherheit) und Beitrag (Proportionalität).
Auf der Suche nach dem „optimalen Mix“ hat der Wissenschaftler den Angaben zufolge „statistisch fundierte Daten über das menschliche Verhalten einfließen lassen“.

Ausgangsbasis für sein Modell sei ein Durchschnittsrentner mit 40 Beitragsjahren; Zielgröße für die Rente sei 1.200 Euro Gesamtanspruch. Demnach soll jeder Arbeitnehmer nach 40 Arbeitsjahren eine Grundrente von 400 Euro erhalten – einkommensunabhängig. Den Rest bis zur anvisierten Gesamtrente von 1.200 Euro soll weiterhin über Beiträge finanziert werden. Für den Normalrentner ändere sich also nichts.

Rentenaufbau geht schneller
Wenn ein Rentner in seinem Arbeitsleben nur die Hälfte des Durchschnittsarbeiters verdient hat, dann würde er heute 600 Euro bekommen. Nach Fehrs System wären es schon 800 Euro - und damit oberhalb der Grundsicherung. Braucht ein Durchschnittsverdiener in der Gesetzlichen Rente heute 25 Jahre, um mit seiner Beitragsleistung die Grundsicherung zu übersteigen, dann genügten künftig 20 Jahre. Beitrags-Prozentsätze seines Modells nennt fahr zwar nicht, aber er will die Grundrente über gekappte Ansprüche der Besserverdiener finanzieren. Diese sollen demnach künftig nur noch das 1,7-fache der Durchschnittsrente erhalten. Heute erhalten sie das Zweifache.

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