„Von einem Testballon kann keine Rede sein“

Versicherungen von Gloria Ballhause

Welche Zukunft hat die klassische Lebensversicherung? procontra will es wissen und fühlt dazu Lebensversicherern auf den Zahn. Teil 6: Ergo. Leben-Vorstand Frank Neuroth über die Niedrigzinsphase und den Wunsch nach mehr Flexibilität.

procontra: Ergo-Chef Torsten Orletzky hat die Zukunftsfähigkeit der klassischen Lebensversicherung mit Garantiezinsen vor einiger Zeit infrage gestellt. Warum halten Sie die klassische Lebensversicherung für ein Auslaufmodell oder ist das neue Produkt „Ergo Rente Garantie“ ein reiner Testballon?

Frank Neuroth: Unsere Kunden haben für eine sichere Altersvorsorge jahrelang sehr attraktive Verzinsungen bekommen, da die Marktzinsen viel schneller gefallen sind als die Gewinnbeteiligungen. Sicher ist die klassische Lebensversicherung auch in Zukunft. Die Renditen werden jedoch wegen der Niedrigzinsphase sinken und bei wieder steigenden Zinsen dem Markt hinterherhinken. Angesichts niedriger Zinsen und nachteiliger Gesetzgebung sowie Rechtsprechung ist es daher aus unserer Sicht Zeit für einen Paradigmenwechsel. Den haben wir mit der „Ergo Rente Garantie“ gerade vollzogen. Von einem „Testballon“ kann keine Rede sein.

procontra: Wie begegnen Sie der anhaltenden Niedrigzinsphase?

Neuroth: In Folge der niedrigen Zinsen werden die Überschussbeteiligungen bei der klassischen Lebensversicherung weiter sinken. Wir sind deshalb überzeugt, dass die meisten Kunden in Zukunft mit unserem neuen Produkt besser fahren werden. Durch das dynamische Anlagekonzept werden sie unmittelbar an positiven Entwicklungen am Aktien- und am Rentenmarkt teilnehmen. Das gilt sowohl bei niedrigen als auch bei steigenden Zinsen.

procontra: Wie lange schaffen Sie es, bei der anhaltenden Niedrigzinsphase die hohen Bestandszinsen zu finanzieren oder ist das für Ihre Gesellschaft kein Problem?

Neuroth: Wir betreiben eine stabilitätsorientierte Geschäftspolitik. Bereits seit 2005 haben wir uns durch Absicherungen auf eine Phase sinkender Zinsen vorbereitet. Die Sicherheit unseres Bestands und die Erfüllung der Zinsgarantien sind jederzeit gewährleistet.

procontra: Welche weiteren Produktlösungen sehen Sie für die Branche als Antwort auf die bekannten Probleme der Lebensversicherer (sinkende Beitragseinnahmen, rückläufige Abschlüsse, Niedrigzinsphase, …)?

Neuroth: Vor und während der Entwicklung unserer neuen Produkte haben wir eine umfangreiche Marktforschung aufgesetzt. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Mehrzahl der Kunden will eine Garantie auf die eingezahlten Beiträge und vernünftige Chancen auf moderate Erträge. Gleichzeitig machen die Kundenwünsche gesellschaftlichen Veränderungen deutlich. Flexible Gestaltungsmöglichkeiten während der Vertragslaufzeit spielen in einer sich schnell wandelnden Welt eine viel größere Rolle als früher. Die Kunden wollen eben nicht nur Sicherheit sondern auch Flexibilität.

procontra: Wird der Lebensversicherungsmarkt mittelfristig wieder ein Wachstumsmarkt werden?

Neuroth: Lebensversicherer sind ausgewiesene Experten für Altersvorsorge und damit in einem langfristigen Wachstumsmarkt hervorragend positioniert. Die staatliche Versorgung wird schon auf Grund der demographischen Entwicklung den Lebensstandard in Zukunft nicht mehr sichern können. Die Bürger können nur mit privater Vorsorge gegensteuern. Für diesen wachsenden Bedarf bieten wir maßgeschneiderte Produkte mit lebenslangen Garantien. Wer kann das besser als Lebensversicherer?

procontra: Vervollständigen Sie den Satz: Auch in xy Jahren werden wir einer von größten Lebensversicherern sein, weil ...

Neuroth: Auch in 15 Jahren werden wir einer der größten Lebensversicherern sein, weil wir unser Leitbild „Versichern heißt verstehen“ ernst nehmen, unsere Produkte und Dienstleistungen genau am Kunden ausrichten, immer wieder kritisch prüfen und kontinuierlich verbessern.

Interviewreihe "Die Zukunft der Lebensversicherung":

Teil 1: „Jede Versicherung muss eigene Antworten finden“
Teil 2: „Die Produkte wurden zu unflexibel“
Teil 3: „Hybridmodelle sind Produktlösungen der Zukunft“

Teil 4: „Spreu wird sich vom Weizen trennen“
Teil 5: „Garantien bleiben wichtig“
Teil 6: „Von einem Testballon kann keine Rede sein“