Schwellenländer-Fonds: Zauberland ist abgebrannt

Investmentfonds von Julia Groth


Ende der BRIC-Fonds. Die jüngste Entwicklung könnte vielen der Produkte den Todesstoß versetzen. Unter Analysten gelten sie ohnehin als Auslaufmodell, die vom ehemaligen Goldman-Sachs-Chefvolkswirt Jim O’Neill geprägte Abkürzung BRIC gilt längst nicht mehr als Synonym für die vielversprechendsten Volkswirtschaften der Welt. Daran ändert es nichts, dass die vier Länder vor rund zwei Jahren Südafrika in ihre Gruppe aufnahmen und sich seither BRICS nennen – eine Abkürzung, die sich bislang kaum durchsetzen konnte. „Die Kategorie BRIC ist nicht mehr sinnvoll“, meint ESPA-Aktienspezialist Egger. Das österreichische Fondshaus will denn auch seinen einzigen BRIC-Fonds im Herbst mit einem globalen Schwellenländerfonds verschmelzen.

Allein China verspricht in der kommenden Zeit spannende Investmentchancen. Die Politik der Zentralbank, die das Wachstum vorübergehend bremst, soll die Wirtschaft des Landes nämlich langfristig auf stabilere Beine stellen. „China wandelt sich allmählich von einer produktions- zu einer konsumgetriebenen Volkswirtschaft“, erklärt Egger. „Das klappt nicht über Nacht, das ist ein langwieriger Prozess.“ Der kann sich für Investoren lohnen. Darüber hinaus sind chinesische Aktien jetzt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter neun günstig bewertet. China-Aktienfonds haben im laufenden Jahr im Schnitt 5 Prozent verloren und sich damit immerhin besser gehalten als globale Emerging-Markets-Produkte.

In den kommenden 6 Monaten wollen 32 Prozent der Fondsmanager 5 bis 10 Prozent mehr Geld in China investieren, zeigt der neue Emerging Market Sentiment Indicator der Deutsche Asset & Wealth Management, ein Stimmungsbarometer, das auf den Aussagen von 101 Fondsmanagern beruht, die zusammengenommen rund 200 Milliarden Euro verwalten. Damit ist China derzeit der beliebteste Schwellenmarkt.

Aktives Management wird bedeutender. Die unterschiedlichen Prognosen für China, Russland, Brasilien und Indien zeigen, dass die Zeit marketingtauglicher Abkürzungen wie BRIC, CIVETS (Kolumbien, Indonesien, Vietnam, Ägypten, Türkei, Südafrika) oder MIST (Mexiko, Indonesien, Südkorea, Türkei) vorüber ist. Auch börsengehandelte Indexfonds (Exchange-traded Funds, ETFs) mit Schwellenländerfokus dürften es in der kommenden Zeit schwer haben. „Aktives Management wird für Emerging-Markets-Fonds wichtiger“, sagt Fraser Hedgley, Produktspezialist beim Fondsanbieter Nomura Asset Management. „Schwellenländer ge­hören weiterhin zu den ineffizientesten Märkten weltweit. Das eröffnet Möglichkeiten für Stockpicker.“

Fondsmanager zeigen sich jetzt vor allem für einige asiatische Märkte optimistisch. Thailand und die Philippinen etwa hätten sich zuletzt vergleichsweise gut gehalten, führt Hedgley aus. „Sie profitieren von ihrem starken Binnenwachstum.“ Ähnlich sieht es in einigen Ländern der Subsahara-Region in Afrika aus. „Diese Märkte sind naturgemäß stärker lokal orientiert und keinen so starken Schwankungen ausgesetzt, weil sie nicht sehr liquide sind“, erläutert Nick Price, Leiter des Schwellenländer-Aktienteams beim Fondsanbieter Fidelity.

Anleger müssen sich gedulden. Wann es für die Schwellenländer insgesamt wieder aufwärts geht, lässt sich kaum sagen. Selbst Profis sind geteilter Meinung: 49 Prozent der für den Emerging Market Sentiment Indicator befragten Fondsmanager glauben, dass die Schwellenländer im kommenden Jahr den MSCI World übertreffen werden, 31 Prozent sind der Meinung, Emerging Markets werden schlechter laufen als der globale Index. 20 Prozent sind unentschieden.

Anleger benötigen jedenfalls erst einmal Geduld. Das Risiko, zwischenzeitlich Verluste zu erleiden, ist in Schwellenländern eben besonders hoch. Das haben in den vergangenen Jahren und Monaten auch die Unruhen in Tunesien, Ägypten, Syrien, Brasilien und der Türkei gezeigt. Panikverkäufe seien unangebracht, sagen Analysten. Umgekehrt sei es indes zu früh, jetzt neu in Aktien aus Emerging Markets einzusteigen, auch wenn viele Märkte derzeit günstig bewertet sind. „Erst muss die Wachstumsdynamik wieder anziehen und die chinesische Wirtschaft sich stabilisieren“, nennt UBS-Analyst Bolliger als Voraussetzungen. Dann kann die Erfolgsgeschichte der Schwellenländer weitergeschrieben werden.

Illustration: Roman Kulon