Kommentar: Richtig riestern mit „Finanztest“?

Berater procontra-Kolumnisten von Markus Rieksmeier

Bei dem aktuellen Vergleich von Riester-Fonds zeigen die Finanztester wieder handwerkliche Fehler. Bei Maklern wäre das eine schriftliche Falschberatung, Rechenfehler inklusive. Der Leser bleibt ohne Orientierung.

Vor der Aufklärung zur Sache (Riester-Fonds) steht die Aufklärung eines Irrtums: „Richtig riestern“, so formuliert „Finanztest“ die Überschrift zu einem Beitrag über die Riester-Rente. Daraus schließt der Verbraucher, dass der Text etwas über die für ihn beste Riester-Möglichkeit aussagt. Erst tiefer im Text, und wenn er im richtigen „Kasten“ liest, erfährt der Leser, dass es hier nur um Riester-Fondssparpläne geht. Der aktuelle Finanztest wäre als Produkt-Informationsblatt, von Verbraucherschützern oft zu Recht kritisiert, schon deshalb  nicht geeignet, weil der Verbraucher eine Riester-Information erwartet, aber – schlecht erkennbar – einen Fondsvergleich bekommt.

„Richtig riestern?“. Jedem Versicherungsmakler ist klar, dass er seinem Kunden die wirtschaftlich beste Lösung anbieten muss. Insofern kommt jeder Leistungsvergleich der zweitbesten Lösung einer Falschberatung gleich. Genau diese maximal zweitbeste Lösung präsentiert „Finanztest“ und hat im aktuellen Heft Riester-Fonds untereinander verglichen. Ohne jeden Hinweis auf strukturelle Nachteile von Riester-Fonds. Zwar weisen die Tester auf Kürzungen bei den Riester-Fonds hin, die die Anbieter für eine Rentenversicherung zur Absicherung der Langlebigkeit ab Alter 85 benötigen, nicht aber, dass dies bei „echten“ Riester-Versicherungen entfällt. Bereits dadurch sinken Renten aus Riester-Fonds systematisch. Eine Gegenüberstellung von Riester-Versicherung zu Riester-Fonds fehlt.

Transparenz?

In dem Beitrag stellen und beantworten die Autoren viele Verbraucherfragen rund um die Riester-Rente mit Worten. Ein Zahlenbeispiel bleiben die Tester aber schuldig. Zwar gibt es in einem Kasten „So haben wir getestet“ verbale Hinweise zu Risikoklassen oder Kosten, aber keine Zahlen. Auch in einer ausführlichen Tabelle der drei empfohlenen Fondsgesellschaften, die nicht einmal die Zertifizierungsnummer der Fonds auslässt, liefern die Tester keine einzige Zahl. Keine Beispielrechnung, keine angenommene Wertentwicklung, kein Sparbeispiel.

Die umfangreiche Produkttabelle enthält mangels Rechenbeispiel auch kein Rentenbeispiel. „Echte“ Rentenwerte in Zahlen findet der Leser in einem weiteren Kasten unter einer irreführenden Überschrift „Wie Deka, DWS und Union die Riester-Rente auszahlen“ (hiermit sind sodann auch die Testsieger genannt). Dort erklärt „Finanztest“ den Mechanismus, dass Riester-Fonds bei Auszahlungsbeginn eine Rentenversicherung abschließen müssen, um das Langlebigkeitsrisiko ab 85 zu finanzieren. Die Fondsgesellschaft „zwackt dafür einen Teil der Ersparnisse ab“, schreiben die Autoren.

Seite 2: Rentenfaktor „abgezwackt“ ?

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