Finanzberatung: Albtraum Kundenklage

Berater procontra-Kolumnisten von Dr. Peter Schmidt

Was passiert wenn ein Kunde gegen den Makler klagt, auch wenn dieser nach bestem Wissen und Gewissen beraten hat? Ein Praxisbeispiel zeigt, wie kompliziert sich im Bereich der Kapitalanlageprodukte eine Kundenklage gegen den Vermittler entwickeln kann.

1998 wird dem Geschäftsführer einer GmbH die Beteiligung an einem geschlossenen Fonds vermittelt: Anlagesumme 150.000 EUR. 2010 meldet der Fonds Insolvenz an, es kommt zum Totalverlust.

Der Geschäftsführer nimmt den Anlageberater in Regress, weil er angeblich nicht auf die anlagetypischen Risiken hingewiesen worden sein soll. Da zum Zeitpunkt der Vermittlung noch keine gesetzliche Dokumentationspflicht bestand, lässt sich dies nicht zweifelsfrei widerlegen. Der Vermittler sieht sich somit einem nicht unerheblichen Haftungsrisiko ausgesetzt und sieht den Fortbestand des eigenen Betriebes gefährdet.

Aber kein Problem, der VSH-Schutz kann ja das Risiko beschränken – theoretisch ja. Aber dann wurde es in diesem Fall erst richtig kompliziert. Der Vermögensschaden-Haftpflichtversicherer von 1998 weigerte sich Versicherungsschutz zu gewähren, weil die dortige Nachmeldefrist beendet sei. Der heutige Versicherer wollte aber nur leisten, wenn ununterbrochener Versicherungsschutz seit 1998 auch bei anderen Gesellschaften bestand.

Die Suche nach den Versicherungspolicen ging los. Ein Verband, dem der Finanzberater zwischenzeitlich angehörte und der damals Gruppenversicherungspartner für den VSH-Schutz war und der auch die Versicherungspolicen verwahrte, gab es inzwischen nicht mehr; Anfragen wurden nicht beantwortet. Inzwischen drängte die Zeit und das Wasser stand dem Vermittler bereits „bis zum Hals“.

Im Notfall VSH-Experten hinzuziehen

Rettung gab es in diesem Fall nur durch ein auf VSH-Risiken spezialisiertes Maklerunternehmen. Nach mühevoller Kleinarbeit und Durchsicht sämtlicher (teilweise sehr klein gedruckter) Unterlagen zur Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung, die den Experten seitens des Vermittlers doch noch zur Verfügung gestellt werden konnten, wurde schließlich der fehlende „alte“ Vertrag ausfindig gemacht. Der aktuelle Risikoträger erteilte dann eine entsprechende Bestätigung über den Versicherungsschutz in Form des Abwehrschutzes.

Das Beispiel belegt, dass Makler und Vermittler in Konflikt mit ihren VSH-Versicherern kommen können und Expertenrat notwendig wird. So wie eben nicht jeder Zahnarzt ein Spezialist für Implantate ist, so kann auch nicht jeder Vermittler von VSH-Schutz ein Experte auf Seiten des Maklers sein. Gerade bei Interessenskonflikten zwischen VSH-Anbietern auf der einen und Maklern bzw. Finanzberatern auf der anderen Seite ist fachkundige Unterstützung vergleichbar mit anwaltlicher Hilfe angebracht.

Seite 2: Ungenügenden VSH-Deckungsschutz für § 34f vermeiden

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