Zwischen Zufriedenheit und Verbesserungsbedarf

Versicherungen von Carla Fritz

Frauen haben Nachholbedarf bei der Altersvorsorge. Das ist bekannt. Aber auch Politik und Assekuranz müssen hier noch zulegen. Diesen Schluss lässt eine Studie zu, die der GDV aktuell vorgestellt hat.

„Überaus zufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Situation“, so stellt sich die Situation der 30- bis 59-Jährigen hierzulande im Rahmen einer Allensbach-Studie im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft dar. Die Untersuchung bescheinigt der „Generation Mitte“ dabei ein „ausgeprägtes Bedürfnis nach Stabilität“ und nach „finanzieller Unabhängigkeit“.

Gleichzeitig gebe es einen „umfassenden Sorgenkatalog“ all dessen, was diese Stabilität und den erreichten Lebensstandard in irgendeiner Weise außer Kraft setzen könne. Angefangen von Gesundheit, über finanzielle Risiken bis zur Sicherheit des Arbeitsplatzes, so Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, bei der Vorstellung der Studie vor Journalisten in Berlin.
Die Untersuchung belegt einmal mehr, dass „Frauen nach wie vor deutlich im Rückstand sind, wenn es um die finanzielle Absicherung ihres Lebensabends geht“. Als einen wesentlichen Grund nennt die Studie die tradierte Rollenverteilung. Der Berufsausstieg sei in Deutschland weiblich, so Köcher. 52 Prozent der Frauen stecken demnach für die Familie und zu Lasten ihres späteren Rentenniveaus im Beruf zurück, dagegen nur neun Prozent der Väter.

Mehrheit verlässt sich auf die Familie

Die deutliche Mehrheit verlässt sich – wie aus der Untersuchung hervorgeht – auf die Familie. Insgesamt 61 Prozent der Befragten halten die Berufstätigkeit eines Partners  für einen wichtigen Baustein der Altersvorsorge. Ein Doppelverdiener-Modell, das auch der Frau finanzielle Spielräume zur Alterssicherung eröffnen würde, hält dagegen nur knapp die Hälfte (47 Prozent) der „Generation Mitte“ für die richtige Strategie.

Vor diesem Hintergrund und angesichts einer aktuellen Scheidungsquote in Deutschland von rund 50 Prozent plädierte GDV-Präsident Alexander Erdland dafür, dass „Männer und Frauen unabhängig voneinander für ihr Alter vorsorgen“, auch in „gut funktionierenden Partnerschaften“. Auf den Aufbau einer eigenständigen Altersvorsorge für Frauen werde man auch in der Beratung „ganz stark“ setzen.
Hier spielt nach seinen Worte die Riester-Rente eine wichtige Rolle, die in „hohem Maße“ von Frauen mit Kindern genutzt werde. Sein Vorschlag: Wenn Frauen die Einzahlungen auf ihr Riester-Konto zeitweise nicht mehr leisten können und hier später nachzahlen, sollten auch diese Nachzahlungen gefördert werden.

Außerdem sprach sich der GDV-Präsident für Freibeträge in Bezug auf die Grundsicherung im Alter aus, die so Anreize zum zusätzlichen Altersvorsorgesparen setzen könnten. Als hilfreich erachtet er im Übrigen eine jährliche säulenübergreifende Renteninformation: „Wir müssen jeden Bürger mit den zu erwartenden Leistungen aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge konfrontieren. Dann wissen die Menschen, was unterm Strich rauskommt und können reagieren.“

Angesprochen auf von Frauen nachgefragten Vorsorgeformen, verwies Erdland auf Produkte im Bereich der Lebensversicherung, die „Flexibilität bei Einzahlungen erlauben“ sowie die Möglichkeit bieten, Zahlungen zeitweise auszusetzen. Eine Lebensversicherung sei für den Vermittler mit dem Verkauf nicht erledigt, eine lebenslange Begleitung des Kunden weiter erforderlich.

Solche flexiblen Produkte weiterzuentwickeln und mit einer staatlichen Förderung zu flankieren, sei seine Empfehlung. „Wir haben keinen Notstand, aber wir haben Verbesserungsbedarf“, so der GDV-Präsident. Das zeige diese Studie ganz deutlich, die auf die Beratung ziele.

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