Wölbern Invest: Streit um Immobilien-Exit geht weiter

Sachwerte von Rainer Kreuzer

Die bei Anlegern schon lange in die Kritik geratene Wölbern Invest will 18 Immobilien mit einem Gesamtvolumen von 950 Millionen Euro verkaufen. Jetzt haben auch die Anleger des Fonds Holland 56 einem vorzeitigen Exit zugestimmt. Doch der Streit tobt weiter

Nach Auseinandersetzungen zwischen Anlegern und der Geschäftsführung über eine  Auflösung des in 2004 aufgelegten und auf 11 Jahre ausgerichteten Holland 56 Fonds konnte vergangene Woche nun doch eine Einigung erzielt werden. Über 90 Prozent der Treugeber stimmten auf einer Versammlung dem Verkauf der beiden Bürokomplexe in Amsterdam und Breda zu.  

Damit kann das Hamburger Emissionshaus nun ein Gesamtpaket von 18 europäischen Immobilien, die in 14 Einzelfonds gebündelt sind, zum Verkauf anbieten, wie Sprecherin Karolina Kulcicki gegenüber procontra berichtete. 16 weitere Immobilienfonds sollten jedoch erhalten werden. Die Fondsgesellschaft sei der Auffassung, „dass in den nächsten Jahren mit weiter sinkenden Immobilienpreisen gerechnet werden muss und dadurch die Risiken der Fonds nicht mehr denen entsprechen, die die Anleger bei ihrer damaligen Fondsbeteiligung als wahrscheinlich in Kauf genommen haben“, begründete Kulcicki den fluchtartigen Rückzug.

Wie der Informationsdienst Fondstelegramm ergänzend berichtet,  haben die Gesellschafter für die beiden niederländischen Immobilien einen Mindestverkaufspreis von 41,19 Millionen Euro festgelegt. Damit nähmen sie einen Verlust gegenüber dem Kaufpreis in Höhe von sechs Millionen Euro in Kauf. Der Verkaufsvorratsbeschluss gelte für ein Jahr.

Anders als vom Management ursprünglich geplant, konnten sich die Anleger des Holland 56 Fonds mit einer Veränderung bei den Gebühren durchsetzen. So werden nun die Honorare, die beim Verkauf entstehen, laut Fondstelegramm erst mit dem Zahlungseingang fällig und nicht schon beim Vertragsabschluss, wie zunächst geplant.

Trotz der bisherigen Einigungen über das umfangreiche Verkaufsprogramm toben zwischen Anlegern und Fondsverwaltung die heftigen Auseinandersetzungen aus den vergangenen Monaten weiter. So versagten laut Fondstelegramm die Gesellschafter des Holland 56 sowohl der Geschäftsführung als auch der Treuhand die Entlastung für das Geschäftsjahr 2011, weil noch kein testierter Jahresabschluss vorliege. Wölbern-Sprecherin Kulcicki wollte sich zu diesen „Betriebsinterna“ nicht äußern.

Am Donnerstag dieser Woche hat nun das Landgericht Hamburg den Anlegern eines anderen Wölbern-Fonds Recht gegeben. Die Gesellschafter des Fonds Österreich 04 hatten im Juli Geschäftsführer Heinrich Maria Schulte (Foto), zugleich Inhaber und Chef der Wölbern-Invest KG, aus seinem Amt entlassen und einen neuen Manager eingesetzt. Diesen Beschluss hatte die Fondsgesellschaft zunächst nicht anerkannt und eine einstweilige Verfügung dagegen beim gleichen Gericht erwirkt. Diese wurde nun auf Betreiben der Anleger zurückgenommen. Als Reaktion darauf kündigte die Wölbern Invest umgehend eine Klage an, mit der sie die Geschäftsführungsverhältnisse des Fonds neu klären lassen will.

Foto: Wölbern Invest

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