Viel Gegenwind für Schiffsfonds

Sachwerte von Robert Krüger-Kassissa


Kein Mehrwert für Fondsanleger.
Einen wirklichen Mehrwert der sogenannten Sanierungsplattformen für die Fondsanleger mag Teichert nicht sehen. Denn die Zugeständnisse und Stillhaltevereinbarungen hätten die Banken zumindest in einigen Fällen auch gegenüber den Anlegern machen können. Doch dazu waren sie nicht bereit, weil es natürlich leichter ist, eine Gesellschaft zu kontrollieren, als viele tausend Anleger unter einen Hut zu bekommen. Gesetzt den Fall, ein Schiff kommt wieder in gutes operatives Fahrwasser, verdienen bei den bisherigen Plattformen  zu viele Beteiligte mit, als dass am Ende beim Anleger Zählbares übrig bliebe. „Das sind in Wahrheit keine Initiativen der Reedereien, sondern die Banken bestimmen, wer sich zusammenschließt“, so Teichert.

Auch Vermittler Michael Rathmann von MIRA findet: „Natürlich sind die Gesellschafter des Frachtschiff-Kontors keine barmherzigen Samariter. Aber die Erträge aus der Bereederung der neu erworbenen Schiffe im Zusammenwirken mit den sicherlich günstig kalkulierten Rahmenbedingungen für die Kredite werden es vermutlich ermöglichen, dass der Kapitaldienst der Schiffe geleistet werden kann.“ Aber es stelle sich die Frage, ob das Frachtschiff-Kontor auch für Schiffe offen ist, die von anderen Banken finanziert wurden und die gleichen Probleme aufweisen, wie sie bei den vier von der HSH-Nordbank finanzierten bestanden haben. „Und warum gibt Herr Duken seinen Prokuristen-Job bei HSH auf, um Gesellschafter einer Firma zu werden, deren Wirkungszeitraum nach eigenem Bekunden auf eine Laufzeit von vier bis fünf Jahren ausgerichtet ist?“, fragt sich Rathmann, der aber der Idee prinzipiell offen gegenübersteht: „Die Idee des Frachtschiff-Kontors trägt dazu bei, dass die deutsche Flotte erhalten bleibt und kein Ausverkauf ins Ausland stattfindet. Insofern wäre es wünschenswert, wenn diese Idee Nachahmer finden würde!“

Gern hätte procontra auch mögliche Gegenargumente des Frachtschiff-Kontors dargestellt. „Wir haben beschlossen, uns derzeit nicht gegenüber der Presse zu äußern. Es ist einfach gerade zu viel in Bewegung“, sagt allerdings Kerstin Duken, Presseprecherin des Kontors.

Rufe in die Politik. Auch Anlegerschutzanwalt Hahn kann beim Frachtschiff-Kontor nicht erkennen, dass auch die Interessen der Fondszeichner berücksichtigt würden. „Nach unserer Information handelt es sich hierbei ausschließlich um Schiffe aus Fonds, die sich in wirtschaftlicher Schieflage befinden. Die darin investierten Anleger gehen insofern leer aus. Eine Einbeziehung der Interessen der Anleger bei dem Frachtschiff- und Feederkontor ist nicht möglich, da sie durchaus konträre Interessen haben.“

Nur beim Erwerb der Containerschiffe knapp über dem Schrottpreis kann das Konzept des Kontors funktionieren. „Der Staat als Mehrheitseigner hätte die Commerzbank zwingen können, nicht aus den bestehenden Kreditverträgen bei Schiffen vorzeitig auszusteigen und das Neugeschäft der Schiffsfinanzierung nicht komplett zu beenden“, schlägt Anwalt Hahn vor. So wäre es nicht zu einem solch starken Einbruch der Kaufpreise für Schiffe gekommen. Dabei müssen aber die verschiedenen Interessen abgewogen werden, und auch für Hahn ist der Rückzug der HSH Nordbank und der Commerzbank aus der Schiffsfinanzierung nachvollziehbar.