Verbraucherschützer will Staatsfonds statt Riester

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Der Verbraucherschützer Niels Nauhauser fordert einen staatlichen Fonds für die Zusatzvorsorge als Alternative zur Riester-Rente. Vorbild sei Skandinavien. Der GDV-Verband warnt vor staatlichen Zugriffen durch Quasi-Enteignung.

Vor vier Jahren ist er mit dem „Finanzhai“-Video bekannt geworden und kassierte dafür eine folgenlose Strafanzeige und ebenso folgenlose Unterlassungsklagen. Nun will Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg eine Alternative zur Riester-Rente der schaffen: Den Vorsorgefonds. Laut der „Süddeutschen Zeitung“ bezeichnet Nauhauser den Markt der privaten Altersversorgung als ein „Haifischbecken“.

Die Raubfische in diesem Becken seien „die Berater, die den Verbrauchern nicht genau erklären können, welche Altersvorsorge für sie persönlich die beste ist“. Die Riester-Rente habe ihr Ziel nicht erreicht, wird Nauhauser weiter zitiert; nun gehe es um echte und verbraucherfreundliche Alternativen. Vorbild sei Skandinavien: Dort gebe es staatliche Fonds, wo die Bürger zu erheblich geringeren Kosten für ihre Zusatzversorgung sparen könnten. Der schwedische Pensionsfonds habe zu Beispiel lediglich 0,12 Prozent Verwaltungskosten.

Wie die „Süddeutsche“ weiter berichtet, soll die Anlage des Vorsorgefonds „ausschließlich auf wissenschaftlichen Kriterien“ basieren. Risiken durch Kursschwankungen seien nahezu ausgeschlossen: „Es wird nicht mehr wild spekuliert und die Kontrolle durch die Politik garantiert ein zusätzliches Maß an Transparenz“, wird Nauhauser weiter zitiert.

GDV warnt vor staatlichem Zugriff

Die Reaktion auf Nauhausers Vorstoß folgte postwendend: Sein Ruf nach „Vorsorgefonds etwa wie in Schweden oder Norwegen geht an der Wirklichkeit vorbei“, meldete der GDV-Verband auf seiner Internetseite und nannte Argumente. Aus Sicht des GDV ist in den skandinavischen Fonds das Langlebigkeitsrisiko nicht gedeckt. Auch gebe es dort keine Mindestrente.

Außerdem sieht der GDV sehr wohl Kursschwankungen, die vor allem zu Lasten des Rentners gehen können: „Es ist alles andere als einfach, den Vermögensabbau im Alter zu steuern, noch dazu, wenn der Fonds in volatilen Anlagen investiert ist.“ Bezüglich staatlicher Banken verweist der GDV auf die Finanzmarktkrise, in der gerade die staatlichen Banken „viel Geld verspekuliert haben.“ Und: „Der Staat könnte in Krisenzeiten auf den Vorsorgefonds zugreifen wollen. Eine „Quasienteignung“ des Kapitals ist daher möglich, wie es in Irland und in Spanien geschehen ist.“

Stattdessen fordert der GDV eine Ausweitung der Riesterförderung, zum Beispiel analog der Entgeltumwandlung in der betrieblichen Altersvorsorge: Dort können zurzeit 2.784 Euro pro Jahr steuerbegünstigt angelegt werden, während die Riester-Grenze seit zehn Jahren bei 2.100 Euro verharrt. Zur Transparenz für den Bürger schlägt der GDV eine so genannte säulenübergreifende Renteninformation vor.

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