LV-Provisionsdeckel: Eine Branche debattiert

Berater Top News von Markus Rieksmeier

Infolge der Berichte über GDV-Pläne zu Provisionskürzungen bei der Lebensversicherung äußern sich Marktkenner, vor allem Vermittler. Berechnungen ergeben, dass die Provisionen sogar auf unter zwei Prozent sinken könnten.

Am Dienstag hatte die Süddeutsche über Pläne des GDV-Verbands berichtet, wonach die Provisionen für Lebensversicherungen auf maximal 4 Prozent „gedeckelt“ werden sollen. Dazu habe der Verband die Mitgliedsunternehmen um Meinungsbildung gebeten. Der GDV sagte zunächst, die Diskussion um Kürzungen der Provisionen stünden „erst am Anfang“. Heute ergänzt der Verband auf seiner Internetseite: „GDV-Präsident Alexander Erdland fordert eine offene Debatte über die Höhe der Vertriebskosten. Das Provisionsmodell an sich stehe nicht zur Diskussion“. In einem Interview forderte Erdland: „Keine Denkverbote“.

Inzwischen äußern sich immer mehr Branchenkenner. procontra hat aktuelle Stimmen auf Facebook eingefangen: Makler Ralf Kramer aus Berlin nimmt Bezug auf Großvertriebe, die bis zu sieben Prozent Provision kassieren und meint, niemand hindere die Versicherer, den Großvertrieben „die Courtage auf ein übliches Niveau zu kürzen“. Robert Schaffner von Seadrift Insurance Brokers, Fürth, kritisiert die Stornohaftung und vergleicht mit einem Autohaus. Wenn er dort ein neu gekauftes Auto zurückgebe, sei es auch weniger wert: „Wieso muss der Autohändler seine Provision dann nicht zurückzahlen?“. Außerdem kosteten gute Beratung, Service und ständige Erreichbarkeit Geld: „Wir als Branche sollen das vorfinanzieren, dürfen aber am liebsten daran nichts verdienen“.

Der Ruf nach dem Gesetzgeber

Oliver Drewes vom Maklerdienstleister maxpool reagiert „mit scharfer Ablehnung“ auf mögliche Provisionsdecklungen und richtet via Presseerklärung einen „Appell an leistungsstarke Versicherer“. Diese sollten einen freien Marktvergleich nicht scheuen. Drewes ruft den Versicherern regelrecht zu: „Äußern Sie sich gegenüber dem GDV und verhindern Sie, dass sich dort eine Politik durchsetzt, die (…) auf einseitige Produktberatung ausgerichtet ist“. Drewes fürchtet gar eine Abschaffung der Provisionsberatung und weniger Berater würde für den Kunden weniger Produktauswahl bedeuten, so seine These.

Der Berliner Versicherungsmakler Bernhard Coerdt prognostiziert gegenüber procontra die Folgen einer Provisionskappung. Die guten Berater „werden sich vom Markt zurückziehen“ oder auf Honorarberatung umsteigen. „Die Direktversicherer werden Marktanteile gewinnen und der Dumme ist der Kunde“. Für den Münchener Versicherungsmakler Uwe Wolff ruft der GDV „in seiner Verzweiflung nach dem Gesetzgeber“. Dem GDV gehe es darum, „einmal auf den Busch zu klopfen und zu sehen, wer sie wie positioniert“. Damit zeigten die Versicherer „mal wieder, dass sie nicht unsere Freunde sind“.

Weitere Branchenstimmen

Auch das manager-magazin berichtet online über Branchenreaktionen. Zum Beispiel von Manfred Poweleit vom map-Report: „Der GDV kann ja gleich eine Provision von Null vorschlagen. Dann haben seine Mitglieder keine Vertriebskosten, aber auch kein Geschäft mehr“. Weniger drastisch gibt sich der Chef des BVK-Verbands Michael H. Heinz: Infolge von Provisionskürzungen „werde der Absatz weiter sinken und die Branche sich damit ins eigene Fleisch schneiden“. Und weiter: Einzelne im Verband einflussreiche Versicherer wollten „sich offenbar Marktvorteile verschaffen [und] die mittelständischen Maklerversicherer vom Markt drängen“, wird Michael H. Heinz ergänzend zitiert. Manfred Poweleit analysiert: „Die großen Konzerne haben mit ihren Vertriebseinheiten viel größere Probleme als solide geführte mittelständische Versicherer“.

Hans-Georg Jessen, Vorstand des Maklerverbands VDVM, spricht für viele in der betrieblichen Altersversorgung aktive Makler. Im Kollektivgeschäft gelten andere Konditionen und die Stornoquoten seien niedriger. Deswegen „tun sich unsere Verbandsmitglieder mit den GDV-Vorschlägen leichter“.  Vor allem aber sei es „ein Armutszeugnis, den Gesetzgeber zu rufen“, zitiert ihn „manager-magazin“. Und Michael Heinz betont, es gebe „überhaupt kein Signal aus der Politik“. Für Eckhard Benner von Verbraucherschutz Baden-Württemberg ändert eine Deckelung der Provision „nichts am eigentlichen Problem der provisionsgetriebenen Vermittlung“. Zu diesem Gegenstand sagt Manfred Poweleit: „Irgendwann wird es noch zum Monopol der Verbraucherzentralen in der Versicherungsberatung kommen“. Poweleit sieht die Verbraucherschützer und ihre honorarpflichtige Beratung in direkter Konkurrenz zu den Vermittlern.

Seite 2: Provisionen könnten sogar auf 1,5 Prozent sinken