„Hybridmodelle sind Produktlösungen der Zukunft“

Versicherungen Top News von Gloria Ballhause

Welche Zukunft hat die klassische Lebensversicherung? procontra will es wissen und fühlt dazu Lebensversicherern auf den Zahn. Teil 3: Helvetia Leben. Vorstand Jürgen Horstmann steht uns Rede und Antwort.

procontra: Teilen Sie die Auffassung von Allianz-Chef Michael Diekmann, dass die klassische Lebensversicherung ein Auslaufmodell ist oder halten Sie das Modell für zukunftsfähig?

Jürgen Horstmann: Grundsätzlich bin ich der Auffassung, dass die klassische Lebensversicherung mit der Garantieverzinsung ein sehr attraktives Produkt ist, das von den Kunden immer noch stark nachgefragt wird. Auf der anderen Seite befinden wir uns derzeit aber in einem Niedrigzinsumfeld und auch die im Zuge von Solvency II gestiegenen Eigenkapitalanforderungen führen dazu, dass die Anreize für uns als Versicherungsunternehmen deutlich gesunken sind,  Lebensversicherungsprodukte mit langfristigen Garantien anzubieten. Vor diesem Hintergrund gibt es einige Fragezeichen, ob das Modell Garantieverzinsung langfristig zukunftsfähig ist.

procontra: Ergo und Allianz haben neue Garantieprodukte auf den Markt gebracht. Wie begegnen Sie der anhaltenden Niedrigzinsphase?

Bei den fondsgebundenen Tarifen der Helvetia Leben gibt es bereits sehr geeignete Produkte für die anhaltende Niedrigzinsphase. Die Entwicklung und den Erfolg der neuen Garantiemodelle am Markt werden wir natürlich mit Interesse verfolgen.

procontra: Wie lange schaffen Sie es, bei der anhaltenden Niedrigzinsphase die hohen Bestandszinsen zu finanzieren oder ist das für Ihre Gesellschaft kein Problem?

Aufgrund der Bestandszusammensetzung der Helvetia Leben sind wir zuversichtlich, dass wir die hohen Bestandszinsen gut finanzieren können.

procontra: Welche Produktlösungen sehen Sie für die Branche als Antwort auf die bekannten Probleme der Lebensversicherer (sinkende Beitragseinnahmen, rückläufige Abschlüsse, Niedrigzinsphase, …)?

In den letzten Jahren hat die immer stärkere staatliche Regulierung hohe Aufwände für Versicherungsunternehmen verursacht. Aufgrund dieser externen Vorgaben hat die Branche den Fokus auf die Weiterentwicklung der Produkte verloren und sich hauptsächlich mit der Umsetzung gesetzlicher Rahmenbedingungen beschäftigen müssen. An dieser Front würde ich mir nun wieder ein bisschen mehr Ruhe wünschen. Grundsätzlich denke ich, dass Hybridmodelle aus fondsgebundenen und klassischen Tarifen, verbunden mit einem hohen Maß an Flexibilität, die Produktlösungen der Zukunft sein werden.

procontra: Mit welchen Produktlösungen kann die Branche wieder wachsen?

Die Lebensversicherung ist der Spezialist für die Alters- und Hinterbliebenenabsicherung und sie fördert damit insbesondere das langfristige Sparen. Mit einfachen und transparenten Lösungen ist meiner Meinung nach die Lebensversicherung auch in Zukunft unschlagbar.

procontra: Vervollständigen Sie den Satz: In 15 xy wird die Helvetia Leben einer von xy Lebensversicherern sein, weil …

In 15 Jahren wird die Helvetia Leben einer von ca. 70 Lebensversicherern sein, weil ich davon ausgehe, dass die Helvetia Leben aus der von mir erwarteten begrenzten Konsolidierung im deutschen Lebensversicherungsmarkt gestärkt hervorgehen wird.

Mehr zum Thema Lebensversicherung? procontra hat die Geschäftsberichte der Lebensversicherer analysiert und veröffentlicht die Ergebnisse in der nächsten procontra-Ausgabe sowie unter LV-Bilanzcheck.

Interviewreihe "Die Zukunft der Lebensversicherung":
Teil 1: „Jede Versicherung muss eigene Antworten finden“
Teil 2: „Die Produkte wurden zu unflexibel“
Teil 3: „Hybridmodelle sind Produktlösungen der Zukunft“

Teil 4: „Spreu wird sich vom Weizen trennen“
Teil 5: „Garantien bleiben wichtig“
http://www.procontra-online.de/artikel/date/2013/08/die-produkte-wurden-zu-unflexibel/