„Die Produkte wurden zu unflexibel“

Versicherungen Top News von Gloria Ballhause

Welche Zukunft hat die klassische Lebensversicherung? procontra will es wissen und fühlt dazu Lebensversicherern auf den Zahn. Teil 2: Standard Life. Sven Enger, CEO von Standard Life Deutschland, über mangelnde Innovationskraft der Branche.

procontra: Teilen Sie die Auffassung von Allianz-Chef Michael Diekmann, dass die klassische Lebensversicherung ein Auslaufmodell ist?

Das Modell der klassischen Lebensversicherung ist definitiv nicht mehr zukunftsfähig. Der Garantiezins befindet sich auf einem unattraktiven Niveau; mit der auf festverzinsliche Wertpapiere fokussierten Kapitalanlage ist keine ansprechende Rendite zu erreichen. Als Konsequenz davon wird die klassische Lebensversicherung bei den Kunden immer unbeliebter. Die Aussage von Herrn Diekmann ist ein deutlicher Beleg dafür, dass inzwischen auch führende deutsche Versicherer nicht mehr an die Zukunft der klassischen Lebensversicherung glauben.

procontra: Ergo und Allianz haben neue Garantieprodukte auf den Markt gebracht. Wie begegnen Sie der anhaltenden Niedrigzinsphase?

Standard Life hat von Anfang an auf ein anderes Garantiemodell als deutsche Versicherer gesetzt. Wir haben uns auf ein sinnvolles Maß an Garantien beschränkt, um dadurch die nötige Freiheit zu behalten, das Geld der Kunden renditeorientiert, über verschiedene Anlageklassen gestreut, anzulegen. Daher sind wir auch nicht so stark von festverzinslichen Wertpapieren abhängig und konnten in der Niedrigzinsphase von positiven Entwicklungen in anderen Anlageklassen profitieren.

procontra: Wie lange schaffen Sie es, bei der anhaltenden Niedrigzinsphase die hohen Bestandszinsen zu finanzieren?

Kein Problem will ich nicht sagen, aber das trifft uns weit weniger als viele deutsche Lebensversicherer. Uns drücken die Bestandszinsen nicht in dem hohen Maße, weil wir schon immer auf ein sinnvolles Garantiemodell gesetzt haben.

procontra: Welche Produktlösungen sehen Sie für die Branche als Antwort auf die bekannten Probleme der Lebensversicherer (sinkende Beitragseinnahmen, rückläufige Abschlüsse, Niedrigzinsphase)?

Ich glaube, dass viele der Probleme wegen der mangelnden Innovationskraft der Branche entstanden sind. Das Hauptproblem vieler deutscher Versicherer ist, das sie zu lange am Status Quo festgehalten haben und dringend notwendige Veränderungen nicht angestoßen wurden. Die Produkte wurden über die Jahre zu unflexibel und sind heute nicht mehr zeitgemäß. Das rächt sich jetzt und zwingt die Branche zum Umdenken.

procontra: Mit welchen Produktlösungen kann die Branche wieder wachsen?

Ich bin der festen Überzeugung, dass es in Zukunft ein großes Potenzial für Fondspolicen geben wird. Gerade die Produkte, die neben einer attraktiven Fondsauswahl auch moderne Sicherungskonzepte bieten, werden sich durchsetzen. Sie können in die Lücke stoßen, die aktuell die klassische Lebensversicherung hinterlässt.

procontra: Vervollständigen Sie den Satz: In 15 y werde ich einer von xy Lebensversicherern sein, weil ...

In 15 Jahren wird Standard Life einer von 40 Lebensversicherern sein, weil wir bereits heute die modernsten Vorsorgelösungen auf dem deutschen Markt anbieten und einer der fünf wichtigsten Anbieter im Wachstumsmarkt der Fondspolicen sein werden. 

Mehr zum Thema Lebensversicherung? procontra hat die Geschäftsberichte der Lebensversicherer analysiert und veröffentlicht die Ergebnisse in der nächsten procontra-Ausgabe sowie unter LV-Bilanzcheck.