Angriff auf Provisionen

Berater Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Der GDV befragt LV-Unternehmen zu besprochenen Provisionskappungen, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Zwei neue Provisionsmodelle kursieren. Laut einer Studie müssen die Versicherer Provisionen kürzen. Vor allem Makler wären betroffen.

Mit zwei neuen Provisionsmodellen will der Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) zufolge an den Lebensversicherungs-Provisionen sägen. Vor allem wolle der GDV einem drohenden Provisionsverbot für Sparprodukte, wie in England oder den Niederlanden, zuvorkommen. Laut SZ bat der GDV die Lebensversicherer „um Meinungsbildung in Ihren Häusern … hinsichtlich der besprochenen Varianten zur möglichen gesetzlichen Regulierung“ der Abschlusskosten und Provisionen.

Dem vorangegangen, so berichtet ein Insider, war ein Treffen des zuständigen Hauptausschusses des GDV am 21. Juni. Dort sei es dem Vernehmen nach um die „prinzipielle Bereitschaft“ zu einer Gesetzesinitiative zur Provisionsdeckelung gegangen. Im Anschluss daran seien die Mitgliedsunternehmen bis zum 31. Juli um besagte „Meinungsbildung“ gebeten worden.

Kürzung auf Verlangen?

Gegenüber procontra äußerte sich der GDV am Dienstag in einer Stellungnahme. Es handle sich „einen verbandsinternen Diskussionsprozess, der sich aus Anlass des anhaltenden Niedrigzinsumfelds und der Kritik von Verbraucherschutz und Politik mit der Höhe der Kosten von kapitalbildenden Altersvorsorgeprodukten befasst. (…) Aktuell steht diese Diskussion noch am Anfang. Einen konkreten GDV-Vorschlag gibt es nicht“; soweit der GDV. Der VOTUM-Verband positioniert sich in einer Pressemitteilung deutlich: „Vermittlervergütungen sind kein Steinbruch für Versicherer“ und spricht bezogen auf die Berichterstattung von einem „Ruf der Versicherer nach dem Gesetzgeber“.

Unterdessen bringen die Strategieberater von Oliver Wyman eine Studie in Umlauf. Auf die Entgelte der Vermittler bezogen lässt sich eine These der Studienautoren festigen: Je mehr Kosten die Versicherer einsparen, desto höher steigt der Anteil der Provisionen an den Gesamtkosten. „Provisionen verteuern das Neugeschäft“, schreibt die Beratung Oliver Wyman in einer Pressemitteilung. Die Versicherer müssten „neue Vertriebsformen und Vergütungsmodelle einführen, um Vertriebskosten in den Griff zu bekommen“.

Zwei Provisionsmodelle kursieren

Der SZ zufolge hat Allianz-Vorstand Markus Faulhaber für den GDV die folgende Alternativen für die LV-Provision der Zukunft vorgelegt:

Modell 1

  • Begrenzung der Abschlussprovision auf 3,5 bis 4,0 Prozent der Beitragssumme (BSe)
  • Stornohaftung 10 Jahre (bisher 5)

Modell 2

  • Begrenzung der Abschlussprovision auf 2,0 bis 2,5 Prozent der BSe weitere 2 Prozent der BSe sollen (ratierlich) über die Laufzeit verteilt ausgezahlt werden
  • Stornohaftung 5 Jahre (unverändert)

In beiden Modellen soll die Abschlussprovision auf einen Jahresbeitrag gedeckelt werden (die so genannte Maximierung). Der „Deckel“ fällt vor allem bei Modell 1: Bei 100 Euro Beitrag und 30 Jahren Laufzeit ergibt sich eine Beitragssumme von 36.000 Euro. 4 Prozent Provision entsprechen 1.440 Euro. Der Jahresbeitrag beläuft sich aber nur auf 1.200 Euro: Hier würde auf 1.200 Euro maximiert, vulgo gedeckelt. Dadurch erreicht der effektive Provisionssatz nur noch 3 Prozent Provision.

Modell 2 deckt sich mit Erkenntnissen der Oliver Wyman-Studie, wonach neben reduzierten Abschussprovisionen auch eine „Flexibilisierung“ der Vergütung erforderlich sei. Dem würde mit der ratierlichen Provisionszahlung von 2 Prozent der Beitragssumme Rechnung getragen. Etwa zu befürchtende Einkommenseinbußen der Vermittler sollten laut Oliver Wyman „durch höhere Produktivität ausgeglichen werden“.

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