Zwei Seiten der Demografie

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Grundsicherung und Minilöhne

Aus Sicht des Sozialwissenschaftlers funktioniert die Drei-Säulen-Theorie nur noch für höhere Einkommen. Auch Erdland (Foto) sieht das sinkende Rentenniveau und befürchtet, dass  „künftig eine steigende Zahl von Rentnern eine gesetzliche Rente unterhalb der Grundsicherung erhält“. Aus seiner Sicht muss die Grundsicherung angepasst werden: „Es darf nicht sein, dass Eigenvorsorge immer komplett angerechnet wird“, erklärt Erdland. Darauf angesprochen, antwortet Prof. Sell: „Zusatzeinkommen wie Riester nicht mit der Grundsicherung zu verrechnen, erscheint doch primär als ein Verkaufsargument“. Vor allem, so Sell, werde in Bezug auf die Grundsicherung das Grundübel vergessen: „Das Problem sind Minilöhne“.

Starre oder flexible Altersgrenzen für den Renteneintritt? Hier äußern sich Erdland und Sell übereinstimmend für mehr Flexibilität beim Rentenbeginn. „So machen wir die gesetzliche und private Rente demografiefester“, schließt Erdland. Prof. Sell: „Der Renteneintritt soll stufenweise erleichtert werden, je nach körperlicher oder mentaler Berufsbelastung“.

Problem: Absicherung der Arbeitskraft

Ergänzend weist Hochschullehrer Sell auf das aus seiner Sicht ungelöste Problem in Sachen  Erwerbsminderung: „Erwerbsgeminderte brauchen eine armutsfeste Absicherung“. 2.800 Euro brutto würden zurzeit einer (meistens) halben Erwerbsminderungs-Rente von rund 500 Euro entsprechen.

Sell spricht sich für ein Klassifizierungssystem aus, mit dem die Arbeitskraft in der Gesetzlichen Rente abgesichert werden kann. „Übrigens hat die Privatversicherung dieses Klassifizierungssystem in den modernen Berufsunfähigkeits-Versicherungen verwirklicht. Handwerker aber können diese Versicherungen kaum noch bezahlen. Das ist ein Signal an den Gesetzgeber, ein lastabhängiges System zu schaffen – nur genau anders herum als das BU-Preissystem der privaten Versicherer“, betont der Wissenschaftler Sell. „Wir brauchen einen gesellschaftlichen Dialog und gemeinsame Lösungen“, sagt GDV-Chef Erdland. Einen „Trialog von Staat, Versicherung und Wissenschaft“ wünscht sich Hochschullehrer Sell, der seine Berufstätigkeit mit einer Krankenpfleger-Ausbildung begonnen hat.

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