Schiffsfonds: „Milliardengrab für Kleinanleger“

Sachwerte von Rainer Kreuzer

Vermittler und Emissionshäuser haben mit dem Verkauf von Schiffsbeteiligungen sicherheitsorientierte Anleger im großen Stil in den Ruin gelockt. Dies berichtet das ZDF in seiner aktuellen Dokumentation „Angelegt und abgesoffen“.

Trotz der Finanzkrise hätten Banken und Initiatoren Schiffsfonds vertrieben, obwohl der Bedarf nach neuen Frachtern global längst gesättigt gewesen sei. Mehr als deutsche 100.000 Kleinanleger hätten insgesamt rund 30 Milliarden Euro in Schiffsfonds investiert, von denen bereits fast 200 Pötte ohne Arbeit in den Häfen parkten, heißt es im Film. Sie seien zum „Milliardengrab für Kleinanleger“ geworden.  Seit dem Jahr 2000 hätte sich die Zahl der deutschen Containerschiffe sogar mehr als verdoppelt. Das Emissionshaus Dr. Peters Group räumt im Film ein, dass Fehler gemacht wurden, „dass weltweit an dem Kapazitätsbedarf vorbei bestellt wurde“, sagt Anselm Gehling vor der Kamera. Gehling war nach Aussagen des ZDFs der einzige Initiator, der sich vor der Kamera äußern wollte. Dem widerspricht Lloyd Fonds-Chef Dr. Torsten Teichert: „Wir haben keine Anfrage bekommen und äußern uns immer gegenüber der Presse.“ Anhaltspunkte hätte das ZDF gehabt, schließlich wurde sich im Film auch ausführlich mit der MS Virginia, einem Fondsschiff aus dem Hause beschäftigt.

Deutsches Phänomen
Von der weltweiten Krise im maritimen Geschäft seien am meisten die deutschen Fondsschiffe betroffen, weil diese entgegen des Bedarfs zu klein und kaum energiesparend seien, begründet ein asiatischer Analyst im Fernsehbeitrag. Während weltweit nur sechs Prozent der Containerschiffe ohne Aufträge seien, befänden sich von den deutschen 38 Prozent im Ruhezustand. Dies bedeutet, dass diese zwar keine Einnahmen erzielen, die Bankkredite aber dennoch weiter zurückgezahlt werden müssen. Hinzu kommen laufende Kosten für Hafennutzung und Wartung. Zahlreiche Anleger mussten deshalb bereits nicht nur auf Ausschüttungen verzichten, sondern sogar noch Geld nachschießen, obwohl eine völlige Pleite nicht unwahrscheinlich ist.

Rechtsanwalt Peter Mattil vermutet hinter dieser groben Fehlentwicklung die Möglichkeit eines Schneeballsystems. „Die Emissionshäuser haben immer neue Fonds aufgelegt, obwohl die alten keine Gewinne abgeworfen haben“, sagte er vor der Kamera. Möglicherweise seien über die hohen Gebühren die alten, unwirtschaftlichen Fonds über Wasser gehalten worden.

Laut ZDF-Recherche flossen nicht selten ein Drittel der Anlegergelder in versteckte Gebühren, Provisionen und Agio. Den Kleinanlegern sei dies beim Verkauf verschwiegen worden, berichten Betroffene. „Die Schiffsfonds sind an Leute verkauft worden, die sehr viel Wert auf Sicherheit der Kapitalanlage legen“, konstatiert Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens. Eine geschädigte Postbank-Kundin kritisiert: „Die Unwissenheit wurde voll ausgenutzt.“

Foto: Screenshot ZDF-Beitrag