Offene Immobilienfonds jetzt in Risikoklasse 3

Investmentfonds Top News von Markus Rieksmeier

Bisher galten offene Immobilienfonds sichere Anlageklassen. Infolge der Liquiditätsprobleme einiger Fonds beginnen erste Investment-Researcher, die OIF in höhere Risikoklassen einzustufen. Das bringt den Finanzvermittlern ernste Haftungsprobleme.

Finanzvermittler arbeiten bei der Ermittlung der Risiko-Neigung ihrer Kunden mit empfohlenen Anleger-Profilen. Dabei handelt es sich um eine Art erweiterten Fragebogen nach dem Wertpapierhandels-Gesetz, auf dem Kunde und Berater gemeinsame Feststellungen treffen, wie das Portfolio des Kunden zusammen gestellt wird. Außerdem dient das Dokument der Enthaftung des Beraters, der nun vor neuen Problemen steht:

FWW stuft hoch
Der Datendienstleister und Researcher FWW Funddata Network aus München hat nun den OIF von den sicheren Risikoklassen 1 und 2 in die Risikoklasse 3 „hohes Risiko“ um gestuft. Damit „passt“ der OIF nicht mehr in die klassischen Anlegerprofile, mit denen inzwischen die meisten Anlageberater arbeiten. Auch große Vermittler-Pools stützen sich auf diese Arbeitsunterlage – fachlich und enthaftend.

Das Problem lässt sich in etwa so auf den Punkt bringen: Bisher konnte der Anleger etwa seinen Mischfonds (Risikoklasse 3) die OIFs (Risikoklasse 1 oder 2) „beimischen“ und dadurch sein Portfolio absichern. Sollte eine neue Klassifizierung der OIF in Risikoklasse 3 Bestand haben, dann wäre das beschriebene Portfolio künftig insgesamt als „chancenorientiert – hohes Risiko“ einzuordnen. Mehr noch: „Wenn ein Anleger zu 100 Prozent Anlagen aus der Risikoklasse 3 tätigen will, muss er sich in Bezug auf seine Risikoneigung in die vierte Stufe „spekulativ“ einordnen“, betont der Finanzvermittler Hans-Peter Walter-Kugler gegenüber procontra.

Haftungsfragen für Vermittler
Nicht nur Walter-Kugler hat nun das Problem, dass er sich entweder gegen die neue Risiko-Klassifizierung des OIF oder gegen seinen Anlegerprofil-Erhebungsbogen entscheiden muss. Daraus entstehen konkrete Haftungsfragen für alle Vermittler, weil fachliche Empfehlung zum Produkt OIF einerseits und Aufzeichnung des Risikoprofils andererseits voneinander abweichen. procontra hat bei FWW nachgefragt, wie die riskantere Klassifizierung der OIF begründet wird. FWW-Researcher Kai Wiecking begründet dies im Kern mit der schlechteren Liquidität von OIF. Alle neu gezeichneten Anteile müssen künftig 24 Monate gehalten werden. Hierfür gilt eine Kündigungsfrist von 12 Monaten. Dadurch könnten die Fonds zwar besser planen und hätten mehr Zeit für einen Abverkauf. Dennoch könne es zu Fällen kommen, in denen Immobilien-Portfolios mit guten nachhaltig erzielbaren Mietrenditen zu einem aktuell schlechten Marktwert der Immobilie liquidiert werden müssten.

Foto: © Luftbildfotograf - Fotolia.com

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