Lebensversicherer mit neuen Garantieprodukten

Versicherungen von Markus Rieksmeier

Die Branche reagiert auf das Niedrigzinsumfeld und präsentiert neue Produkte. Nun kam der Marktführer aus der Deckung und stellte sein neues Vorsorgekonzept „Allianz-Perspektive“ vor. Auch Ergo, Debeka und Gothaer gehen die Garantieproblematik offensiv an.

Die deutsche Lebensversicherungswirtschaft sucht wegen der andauernden Zinsflaute auf dem Kapitalmarkt händeringend nach Wegen, die hohen Kosten für Garantien los zu werden. Zurzeit erwirtschaften die Lebensversicherer marktweit etwa 3,7 Prozent Zins, haben aber Millionen Policen mit Garantiezinsen von 3,5 und 4 Prozent im Portfolio. Angesichts dieser Situation hat die Debeka die Notbremse gezogen und ihre „Sofortverrechnung“ für 400.000 Verträge mit 4 Prozent Garantie gestrichen. 400.000 Verträge der Generation mit 3,5 Prozent Zins könnten bald folgen. Vor diesem Hintergrund haben zuletzt Ergo und am 5. Juli die Allianz neue Produkte ohne Mindestverzinsung präsentiert: Allianz „Perspektive“ heißt die Innovation.

Das neue Produkt der Allianz lässt sich sehr einfach erklären: Es handelt sich um eine klassische Rentenversicherung mit Beitragsgarantie. Eine Mindestverzinsung des Sparanteils des Beitrags gibt es nicht: Dies ist der erste Unterschied im Vergleich zur klassischen Rentenversicherung mit derzeit 1,75 Prozent Rechnungszins. Wie dadurch die Verzinsung steigen kann, rechnet die Allianz vor: Durch eingesparte Kosten für die Zinsgarantie bietet „Allianz Perspektive“ im Vergleichsbeispiel mit der Klassikpolice eine um knapp 0,3 Prozent höhere Wertentwicklung nach Kosten, die übrigens hier wie dort 1,06 Prozent betragen. Der zweite Unterschied zur klassischen Rentenversicherung sind so genannte „gesplittete“ Garantien (dazu hat sich noch kein Branchenbegriff gefunden): In der Aufschubzeit werden die Beiträge garantiert (Phase I). Zum Rentenbeginn erfolgt die Verrentung des aufgelaufenen Kapitals „auf Basis der dann geltenden Rechnungsgrundlagen“ (Phase II). Dies erscheint neu, ist es aber nicht: So wird zum Beispiel auch bei vielen Fondspolicen der Rentenfaktor nicht oder nicht in voller Höhe garantiert.

Höhere Überschussbeteiligung
Im laufenden Geschäftsjahr deklariert die Allianz ihre Überschussbeteiligung für klassische Produkte mit 4,2 Prozent, was rund 0,6 Prozent über dem Branchenschnitt liegt. Für das neue Produkt werden sogar 4,5 Prozent deklariert – also in diesem Jahr garantiert. Allianz Leben-Chef Markus Faulhaber zu dem neuen Produkt: „Das neue Vorsorgekonzept Perspektive bietet unseren Kunden die Möglichkeit, ihre Renditeerwartungen und ihre Risikoneigung bei der Altersvorsorge noch individueller auszubalancieren.“

Ergo geht anderen Weg
Vorreiter bei den neuen Rentenprodukten ohne Mindestverzinsung war im letzten Monat Ergo mit ihrer „Rente Garantie“. Die Düsseldorfer gehen den komplizierteren und komplizierter zu erklärenden Weg über eine Fondspolice mit Beitragsgarantie. Die Krux an diesem Produkt ist, immerhin ein Fonds-Produkt, dass der Kunde nicht in andere Fonds wechseln „switchen“ kann. Erstens gibt es nur einen Fonds und dieser hat – sehr verkürzt übersetzt – technische und monetäre Verbindungen zur Beitragsgarantie. Diese wiederum wird von der Ergo-Konzernmutter Munich Re gestellt. Das macht es wieder einfach: Es gibt keinen besseren Garanten als den solventesten, größten Rückversicherer der Welt.

Unterdessen hat der Chef der Gothaer, Werner Görg, anlässlich der Präsentation des Jahresergebnisses seines Konzerns berichtet, sein Haus habe ebenfalls „neue“ Garantieprodukte entwickelt. Jedoch äußerte er Zweifel an der Rechtssicherheit der neuen Produkte mit gesplitteten Garantien, weil hierzu erst die Deckungsrückstellungs-Verordnung geändert werden müsste.

Foto und Grafik: Allianz