Götterdämmerung bei Finanztest

Versicherungen Berater Top News von Markus Rieksmeier


Eskalation im Internet und in der Presse

Die Makler-Community, die jede Absicht eines Shitstorms von sich weist, hat in der vergangenen Woche eine Facebook-Gruppe gegründet – mit inzwischen über 100 Mitgliedern. Auch dadurch wurde die Presse bis hin zum „Handelsblatt“ auf die Maklergruppe aufmerksam und berichtete nicht nur über „Finanztest“, auch namentlich über Makler Helberg. Zur weiteren Verbreitung trägt die intensive Nutzung von Twitter bei. Allein Helbergs Pressewirkung konnte nur durch intensive Social Media-Nutzung entfaltet werden. Helberg: „Auch die bisherigen Reaktionen von Stiftung Warentest, beispielsweise die wegen ihres in Behördendeutsch zu trauriger Bekanntheit gelangte erste Stellungnahme, offenbaren keinerlei Einsicht in die zahllosen Schwächen des Tests. Man hält sich anscheinend für unfehlbar“.

Ein Dritter Weg

Der aktuelle Streit um angemessene Prüfkriterien zur BU offenbart ein Dilemma: Zu wenige oder falsche Test-Kriterien führen zu falschen Ergebnissen. Umgekehrt führen immer höher spezifizierte Kriterien zwar zu einem Optimum an Versicherungsschutz. Dieser „Top-Schutz“ ist aber bald nicht mehr bezahlbar, vor allem nicht von Handwerkern. Damit diese teurem Berufsgruppen, aber auch Geringverdiener erreicht und versichert werden können, „müssen Versicherungsbranche und Verbraucherschutz über die Top-BU hinaus denken“, schrieb Michael Franke, Gründer der Rating-Agentur Franke und Bornberg, im Frühjahr in einem viel beachteten Aufsatz. „Die Auflösung des (…) Problems mit der BU wird nur im Dialog zwischen Branche und Verbraucherschutz machbar sein“.

Franke fordert zwar die Beibehaltung möglichst vieler Test-Kriterien. Aber neben dem Top-Schutz müsse es auch bezahlbare Alternativen geben: Zum Beispiel BU-Basisdeckungen, mit denen auch Geringverdiener Versicherungsschutz erlangen und bezahlen können. Zum aktuellen Diskurs um BU-Prüfkriterien sagte Franke  gegenüber procontra: „Die Öffentlichkeitswirkung von Finanztest ist größer als es das Testdesign rechtfertigt“. Für die nächsten Tage kündigte Franke eine ausführliche fachliche Stellungnahme zum BU-Vergleich an. Einstweilen könnte „Finanztest“ das konkrete Testdesign veröffentlichen und auf die recht einfachen, klaren Fragen der Makler eingehen. Zum Beispiel auch namentlich, mit welchen (laut „Finanztest“-Stellungnahme) „Verbraucherschützern, Versicherungs­maklern, Professoren und auch Experten der Branche diskutiert und daraus das Untersuchungs­programm entwickelt“ wurde.

Am Montag forderte Helberg auf Facebook: „Stiftung Warentest muss den BU-Test 07/2013 zurückziehen“. „Finanztest“-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen schweigt zur Sache.

Aktualisierung: Makler Matthias Helberg und „Finanztest“-Chefredakteur haben am Montag ein Telefongespräch geführt. Dies bestätigte Matthias Helberg gegenüber procontra. In der Sache sein man sich nicht näher gekommen. Tenhagen steht ab sofort in Helbergs Facebook-Gruppe Rede und Antwort.

Foto: Cover Finanztest, Ausgabe 7/13

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