Enhanced Annuities: Ab jetzt wird geraucht

Versicherungen Thema Biometrie von Sebastian Brass

Chronisch Kranke und andere Risikogruppen können sich freuen: Ihre kürzere Lebenserwartung kann sich in höheren Rentenzahlungen niederschlagen. Mit Enhanced Annuities gibt es die entsprechenden Versicherungslösungen – doch die Deutschen haben offenbar nicht darauf gewartet.

Üblicherweise kommt man ja beim Ausfüllen eines Versicherungsantrags der Pflicht, Fragen nach Vorerkrankungen, Raucherstatus oder waghalsigen Hobbys positiv beantworten zu müssen, eher zähneknirschend nach. Seit einigen Jahren jedoch ist eine Versicherungsform am Markt, bei der genau das hoffen lässt. Die Rede ist von Enhanced Annuities („erweiterte Renten“), die das Prinzip der Individualisierung auf die Leistungsseite übertragen.

Rentenempfänger erhalten höhere Bezüge, wenn ihre Lebenserwartung unter dem Durchschnitt liegt (zu den Indikatoren siehe Kasten). Den Grundgedanken fassen die Finanzwissenschaftler Gudrun Hoermann und Jochen Ruß von den Universitäten St. Gallen und Ulm in einer Studie zum Thema so zusammen: „Rentenversicherungen, bei denen die Rentenhöhe nur vom zu verrentenden Betrag, vom Geschlecht und vom Alter des Versicherten bei Rentenbeginn abhängt, diskriminieren typischerweise Personen mit verminderter Lebenserwartung, da diese für den selben Beitrag im Durchschnitt geringere Leistungen erhalten.“ Das sei „unfair“. Im Gegensatz zu Großbritannien blieb in Deutschland der große Ansturm auf Sonder-, Individual-, Spezial- oder Extra-Rente – so gängige Eindeutschungen von Enhanced Annuities – allerdings bislang aus. Möglicherweise ist es eine Frage der gewachsenen Versicherungskultur: Auf der Insel wurde der Solidargedanke in der Daseinsvorsorge nie so großgeschrieben wie in Deutschland. Versichern ist mehr Privatsache und daher auch individualisierter als hierzulande. Die Deutschen sind es dagegen gewohnt, dass gute Risiken die schlechten mittragen. Doch das muss nicht so bleiben – der Trend geht schließlich eher in die andere Richtung.  

Mehr zum Thema Biometrische Risiken finden Sie im procontra-Themenspecial Biometrie.