Debeka erhöht Beiträge im Leben-Bestand

Versicherungen von Markus Rieksmeier

Erstmals erhöht ein deutscher Lebensversicher die Beiträge bestehender Verträge. Die Debeka beugt sich der andauernden Zinsflaute am Kapitalmarkt und streicht die bisher als sicher geglaubte „Sofortverrechnung“ für 400.000 Policen.

Debeka-Kunden bekommen bislang auf ihren Lebensversicherungsbeitrag eine Art Sofortgutschrift auf den Bruttobeitrag, die so genannte „Sofortverrechnung“. Abgebucht wird der Nettobeitrag. Bei der Sofortverrechnung handelt es sich um eine Art vorgelagerter Überschussbeteiligung: Diese scheint für die Debeka so sicher, dass sie auch bei Angeboten, bei denen ein fester Beitrag vorgegeben wird, stets mit dem Nettobeitrag rechnet. Nun wird die Debeka die Sofortverrechnung für 400.000 Verträge streichen, berichtet das Wirtschaftmagazin „Capital“ in seiner Juli-Ausgabe.

Wie alle Lebensversicherer leidet die Debeka unter dem dauernden Zinstief am Kapitalmarkt. Derzeit erwirtschaften die Lebensversicherer marktweit etwa 3,7 Prozent. Damit lassen sich Alt-Verträge mit 4 Prozent-Garantiezins auf den Sparanteil nicht finanzieren. In der Vergangenheit konnten die Versicherer von Reserven zehren, die inzwischen aufgebraucht sind. Im Gegenteil: Im schwelenden Streit um die Bewertungsreserven müssen die Versicherer Forderungen nach Vermögensteilen abwehren, die sie nicht haben.

Zurzeit hat die Debeka 400.000 Verträge mit 4 Prozent-Garantie im Portfolio. Angesichts der dauernden Zins-Unterdeckung von 0,3 Prozent setzt sich der Versicherer praktisch schon rechnerisch dem Verdacht aus, seine neuen Kunden würden die alten subventionieren. Diesem Eindruck will die Debeka nun entgegen wirken. Sie beteiligt die Altkunden an der Finanzierung ihrer Garantien – indem eine Teil der Überschussbeteiligung gekappt wird: Die Sofortverrechnung.

Einen Termin für die Änderung nannte die Debeka noch nicht. In einer Stellungnahme gegenüber procontra schreibt das Unternehmen am Montag: „Rechtzeitig vor Fälligkeit der Beiträge (und dem Wegfall der Grundüberschussverrechnung) informieren wir unsere Versicherungsnehmer“. Weitere 400.000 Verträge könnten folgen: Telefonisch erklärte Debeka-Pressesprecher Arns auf Nachfrage, auch bei den Verträgen mit 3,5 Prozent Rechnungszins der Jahre 1986 bis 1994 könnte die Sofortverrechnung wegfallen, wenn der Kapitalmarkt schwach bleibt.

Foto: Debeka

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