Was geht bei IGB vor?

Sachwerte von Robert Krüger-Kassissa

Die Biogasfonds IGB NAWARO hat Anlegern nicht die erhoffte Rendite beschert. Nun treffen sich die Streitparteien Initiator, Investoren und Anlegerschutzanwälte vor Gericht.

Bei der IGB AG, der Internationalen Grundwert Beteiligungsgesellschaft aus Hamburg, geht es hinter den Kulissen derzeit hoch her. Streitpunkt ist der Fonds IGB NAWARO Bioenergie. Der Fonds investiert in eine Bioenergiepark-Anlage im mecklenburgischen Güstrow. Der 2007 emittierte und 2009 platzierte Fonds (Laufzeit: 20 oder 14 Jahre) prognostizierte Ausschüttungen von 3 Prozent ansteigend auf 11 Prozent. Und hier liegt wohl der Grundstein des Ärgers. Denn Anleger haben bislang von den prognostizierten Ausschüttungen wenig gesehen, genau genommen bislang nur einmal 4 Prozent. So traurig es klingt, nicht oder nur wenig gezahlte Ausschüttungen sind natürlich für jeden Anleger ein Ärgernis, dies für sich ist aber in der Branche kein Alleinstellungsmerkmal des IGB-Fonds. Dennoch kochen die Gemüter hoch. Von Interessenkonflikten, von der Beauftragung unterkapitalisierter Projektpartner und der Verletzung der Sorgfaltspflichten eines ehrbaren Kaufmanns ist die Rede.

Herausgabe der Adressdaten. Künftig beschäftigen sich die Gerichte mit diesem Fall. So ist für den 24. Juni 2013 eine Verhandlung am Landgericht Hamburg auf Herausgabe der Mitgesellschafteridentitäten angesetzt. „Zunächst war der 15. Mai 2013 terminiert, der Termin wurde dann aber auf den 24. Juni 2013 verlegt. Um weiter Zeit zu gewinnen, wurde die Zuständigkeitsrüge des Amtsgerichts/Zuständigkeit des Landgerichts eingewandt. Die Chancen auf Herausgabe sind sehr gut aufgrund der Entscheidungen des BGH vom 5. Februar 2013, II ZR 136/11 und II ZR 134/11“, sagt Peter Hahn, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in Hamburg.

Anleger, die sich in der Interessengemeinschaft IG NAWARO zusammengetan haben, sehen generell ihre Investorenrechte beschnitten. Denn die Beschlüsse zum Restrukturierungskonzept des Fonds, der sich in wirtschaftlicher Schieflage befand, würden nicht über Präsenzveranstaltungen, sondern im schriftlichen Umlaufverfahren herbeigeführt. „Grundsätzlich ist das keine Beschneidung der Anlegerrechte, da der Gesellschaftsvertrag auch schriftliche Umlaufverfahren zulässt. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation der Gesellschaft wäre aber eine Präsenzgesellschafterversammlung angezeigt“, erläutert Hahn.

Angriff auf Großbanken. Die Probleme bei IGB seien nicht IGB-spezifisch, sondern beträfen alle Initiatoren, deren Produkte über Großbanken vertrieben wurden, beklagt eine dem Unternehmen nahestehende Person. „Anlegerschutzanwälte oder solche, die sich dafür halten, stürzen sich auf wirtschaftlich in Schieflage befindliche Fonds, und da bei Großbankenfonds oftmals tausende Anleger betroffen sind, ist die Trefferwahrscheinlichkeit, einen Bankberater wegen angeblicher Falschberatung dranzukriegen, relativ groß.“ Seitens möglicher entrüsteter Anleger hält sich der Ansturm auf die Commerzbank, die den Fonds vertrieb, bisher in Grenzen. „Uns liegen einige wenige Kundenschreiben zu der unternehmerischen Beteiligung ,IGB Nawaro Bioenergie‘ vor. Insgesamt liegt die Anzahl der Schreiben von Kunden, die diesen Fonds gezeichnet haben, in einem sehr niedrigen einstelligen Prozentbereich“, sagt Michael Machauer, Pressesprecher der Commerzbank. Zum Inhalt der Kundenschreiben wollte sich die Commerzbank nicht äußern.

Auch GENO Bioenergie 01 mit Problemen. Gerichte und Sachverständige sollen also nun mögliche Interessenkonflikte und andere Vorwürfe gegen die IGB, die einst im procontra-Leistungsbilanzvergleich (Ausgabe April/Mai 2010) mit ihren Containerfonds hervorragend abschnitt, klären. Möglicherweise hatten Initiatoren mit Biogas oder NAWARO BioEnergie AG auch einfach kein glückliches Händchen, denn laut dem Leistungsbilanzportal ProCompare liegt auch der Fonds GENO Bioenergie 01 aus dem Hause Doric derzeit unter Plan und im Soll-Ist-Vergleich unter anderem bei den Ausschüttungen hinten. Hier war die NAWARO BioEnergie AG wie beim IGB-Fonds ebenfalls der Leasingnehmer. Die rückwirkende Änderung des EEG ließ NAWARO im Jahr 2004 bis vor Bundesverfassungsgericht ziehen. 

„Bedingt durch die vorübergehende rückwirkende Änderung des EEG 2004 wurde der Betrieb der Anlagen umstrukturiert. NAWARO ist heute nicht mehr Leasingnehmer der Anlagen, sondern betreibt diese im Auftrag des Fonds“, sagt Dr. Peter E. Hein, geschäftsführender Gesellschafter der Doric. „Der Fonds verläuft ausgesprochen erfreulich. Die Auslastung der Anlagen liegt über den Erwartungen.“ Mittels technischer Verbesserungen soll das durch die vorübergehende rückwirkende Änderung des EEG „verlorene“ Jahr 2009 vollständig aufgeholt werden. Die Geschäftsführung des Fonds sei mit den Leistungen des Betreibers hochzufrieden.


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