Pflege-Bahr: Zum Scheitern verurteilt?

Versicherungen Thema Biometrie von Sebastian Brass


Branche steht zum Pflege-Bahr.
Dieser massiven Schelte tritt der PKV-Verband entschieden entgegen. Der Vorsitzende Reinhold Schulte nennt das Negativurteil der Stiftung Warentest „sehr undifferenziert“, die Testkriterien „nicht nachvollziehbar und kritikwürdig“. Bei den Beispielberechnungen seien gerade jene Jahrgänge ausgeblendet worden, für die sich Pflege-Bahr besonders lohne. „Beim Versicherungsbeginn zwischen 25 und 35 Jahren kann in der Regel bereits mit dem Mindesteigenbeitrag von zehn Euro und fünf Euro staatlicher Förderung eine umfassende Absicherung für die schwerste Pflegestufe III erreicht werden“, betont Schulte. Der Pflege-Bahr sei lediglich ein Mindestschutz und ein Einstieg in die private Vorsorge. „Diesen Mindestschutz mit Höchstleistungstarifen ganz anderer Produktgruppen zu vergleichen, ist von vornherein schief.“ Die Pflegevorsorgeförderung betrachte die Branche jedenfalls als „Zukunftsmodell“. Hinsichtlich der befürchteten Beitragsexplosion in den geförderten Tarifen gibt auch die Deutsche Aktuarvereinigung Entwarnung; derartige Prognosen seien „völlig haltlos“.

Aus dem Schlagabtausch lässt sich ableiten: Der Pflege-Bahr eignet sich eher zur Ansprache jüngerer Kunden. Sie erhalten relativ viel Leistung für relativ wenig Geld. Bei älteren Interessenten gilt das nicht mehr unbedingt. Hier kommt es auf die individuelle Finanzierungslücke, den Beitragsspielraum und natürlich das Einstiegsalter sowie Vorerkrankungen an. Ein guter ungeförderter Tarif ist einem guten geförderten bei gleicher Prämienhöhe generell vorzuziehen. Denn auch wenn PKV-Verbandschef Schulte von „ganz anderen Produktgruppen“ spricht: Letztlich ist es ein und dieselbe Versicherungsart, einmal eng reglementiert und gefördert, einmal freier reglementiert und nicht gefördert. Entscheidend ist, was der Kunde zahlt und was er dafür bekommt.