Nachhaltigkeit motiviert Unternehmen

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Studie: Investitionskapital und Ratings sind wirksame Instrumente, Unternehmen zu sozialem und umweltfreundlichem Verhalten zu bewegen. Doch die Wirkung hängt stark von der Auswahlstrategie ab.

Nachhaltige Kapitalanlagen und Nachhaltigkeits-Ratings sind ein wichtiger Hebel, um Unternehmen zu einem sozialen und umweltfreundlichen Engagement zu bewegen. Dies belegt eine Umfrage von Oekom Research, einer Rating-Agentur im Bereich nachhaltiger Investments. Einer Pressemitteilung zufolge wurden weltweit 750 Großunternehmen kontaktiert, von denen schließlich 199 an der Umfrage teilnahmen. Oekom Research wollte herausfinden, inwiefern die Anforderungen von Investoren, die bei der Auswahl der Zielunternehmen Nachhaltigkeitskriterien zu Grunde legen, die Gestaltung von Strukturen, Leistungen und Prozessen in den Zielunternehmen beeinflussen.

Nur Kunden haben mehr Einfluss


Für gut 61 Prozent der teilnehmenden Unternehmen seien die Anforderungen von Nachhaltigkeits-Ratingagenturen ein ausschlaggebender Faktor, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Bei jedem dritten befragten Unternehmen würden die Anfragen von Nachhaltigkeitsanalysten die Gesamtstrategie beeinflussen, bei zwei von drei Unternehmen die Nachhaltigkeitsstrategie. Zudem hätten 30 Prozent der Unternehmen angegeben, dass das Abschneiden im Nachhaltigkeits-Rating Einfluss auf die Vergütung der Führungskräfte hat. „Die Studie zeigt, dass der Hebel funktioniert“, so Robert Haßler, Vorstandsmitglied bei Oekom Research. Größere Bedeutung als die Anforderungen von Nachhaltigkeits-Ratingagenturen hätten nur die Forderungen von Kunden.

Wie die Rating-Agentur weiter berichtet, legen nachhaltigkeitsorientierte Investoren „mehr als 10 Billionen Euro mit verschiedenen SRI-Strategien weltweit an“. „SRI“ steht für Social Responsible Investments, also gesellschaftlich verantwortliche Kapitalanlagen. Laut Oekom Research liegt der Marktanteil nachhaltiger Kapitalanlagen bei 22 Prozent. Viele Investoren verbänden mit der Berücksichtigung von sozialen und umweltbezogenen Kriterien bei ihren Investitionen in Aktien und Anleihen von Unternehmen das Ziel, diese zu einem verstärkten Engagement für eine nachhaltige Entwicklung zu motivieren. Wie erfolgreich Investoren dabei sind, hänge insbesondere von der gewählten Strategie ab, nach der sie Zielunternehmen auswählen.

Best-in-Class-Ansatz hat Einfluss

Die Unternehmen selbst bescheinigen dem Best-in-Class-Ansatz den größten Einfluss auf die eigene Nachhaltigkeitsleistung. Auf Platz zwei folge der direkte Dialog mit den Anteilseignern. Beim Best-in-Class-Ansatz werden jeweils die in Sachen Nachhaltigkeit führenden Unternehmen einer Branche zum Investment ausgewählt. Was Anleger vom Best-in-Class-Ansatz halten, zeigt die ECOSTAMP-Umfrage. Ungefähr die eine Hälfte der Teilnehmer der Online-Umfrage befürwortet diesen Ansatz, die andere Hälfte lehnt ihn ab. Das Problem: Nicht einmal zehn Prozent des weltweit nachhaltig angelegten Kapitals werden auf Basis dieses Ansatzes investiert. Die überwiegende Mehrheit der nachhaltigen Investments erfolgt auf Basis von Ausschlüssen bzw. Negativkriterien. Haßler schließt aus all dem: „Wer als Investor Einfluss auf die Nachhaltigkeitsleistung der Unternehmen nehmen will, ist gut beraten, auf den Best-in-Class-Ansatz und den Dialog mit den Unternehmen zu setzen.“

„Nachhaltiger Ölkonzern“

Soweit die Ergebnisse der Umfrage. Der Best-in-Class-Ansatz freilich steht auch immer wieder in der Kritik. Denn bei diesem Ansatz investiert der Investor in Unternehmen, die in ihrer Branche die Nachhaltigkeitskriterien am ehesten erfüllen, unabhängig davon, ob auch die Produkte selbst nachhaltig sind. Der Ölkonzern BP etwa galt eine Zeit lang als „nachhaltiger Ölkonzern“. Daher befanden sich BP-Aktien in etlichen Nachhaltigkeitsfonds. Im Jahr 2010 explodierte dann im Golf von Mexiko die Ölplattform Deepwater Horizon. Das wochenlang ausströmende Öl verunreinigte das Wasser und Teile der US-Küste. Die Fondsgesellschaften kamen in Erklärungsnot. Daher gehen Investoren zunehmend dazu über, den reinen Best-in-Class-Ansatz mit einer Vorauswahl zu kombinieren. Unternehmen, die zum Beispiel mehr als fünf Prozent des Umsatzes in den Bereichen Kernenergie, Tabak oder Rüstung erzielen, scheiden bereits zu Beginn des Auswahlprozesses aus.

Die Oekom Research-Umfrage steht zum Download zur Verfügung.

Weitere Informationen rund um das Thema nachhaltige Geldanlagen und welche Mindestkritierien nachhaltige Aktienfonds erfüllen sollten, zeigt die von procontra unterstützte Plattform ECOSTAMP.


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