Weiterbildungsinitiative soll Vermittler stärken

Berater von Carla Fritz

Den Wissensstand regelmäßig auffrischen, das ist auch für Versicherungsvermittler unabdingbar und auf freiwilliger Basis allemal besser als gesetzlich vorgeschrieben. Eine Verbände-Initiative nimmt das jetzt in die Hand.

Den Berufsstand weiter zu professionalisieren und dabei die Fach- und Beratungskompetenz der Vermittlerschaft zu stärken, das ist nach Bekunden der Initiatoren das Anliegen der neuen freiwilligen Brancheninitiative „Gut beraten – Weiterbildung der Versicherungsvermittler in Deutschland“. Dahinter stehen mit AGV, BWV, BVK, GDV, VDVM, VGA und VOTUM sieben Verbände der Versicherungswirtschaft sowie die Gewerkschaft ver.di/Bundesfachgruppe Versicherungen.

Schneller als Brüssel

„Wir glauben, dass die Erstqualifikation, die es schon seit 20 Jahren gibt, für die Weiterbildungsinitiative ein gutes Fundament darstellt“, erklärte deren aktueller Sprecher Josef Beutelmann bei der Vorstellung des Modells in Berlin.
Man sei damit auch im Hinblick auf die geplante neue EU-Vermittlerrichtlinie (IMD2) gut positioniert, betonte Hans-Georg Jenssen, Geschäftsführender VDVM-Vorstand. Diese soll die regelmäßige Weiterbildung von Versicherungsvermittlern künftig zur Pflicht machen. Umso besser, wenn die Branche hier bereits ein etabliertes Modell auf freiwilliger Basis vorweisen könne, befand Jenssen.

Das neue Branchenprojekt orientiert sich dabei an den Weiterbildungsregeln der Ärzteschaft und honoriert Bildungsmaßnahmen mit Weiterbildungspunkten. Insgesamt 200 davon kann und sollte jeder Vermittler demnach im Zyklus von fünf Jahren in unternehmensinternen und externen Bildungsmaßnahmen immer wieder neu sammeln. „Wenn Nebenberufler nur in einer Sparte vermitteln, genügen 100 Punkte für das Zertifikat“, nannte Beutelmann die in dem Fall unterschiedlichen Anforderungen.

Strenge Anrechnungsregeln

Für eine Lerneinheit von 45 Minuten wird jeweils ein Punkt gutgeschrieben – auf dem eigenen Weiterbildungskonto in einer beim BWV zentral geführten Datenbank. Dort sind auch die akkreditierten Bildungsanbieter hinterlegt. In Frage hierfür kommen Branchenakademien, aber auch Branchenverbände oder Sachverständige und andere Anbieter.

„Auf die Qualifikation der Trainer hat auch der Qualitätssicherungsausschuss der Initiative ein Auge“, sagte Jenssen. „Damit ganz klar ist – kreatives Töpfern auf Sylt gehört nicht dazu.“ Die Anrechnungsregeln sind streng. Es zählt nur das, was tatsächlich zu einer Vertiefung der Fach- und Beratungskompetenz führt. Der Seminarvorabend zum Kennenlernen fällt nicht darunter, ebenso wenig die interne EDV-Schulung – „selbst Messen nicht“, wie Beutelmann erklärte, der Besuch von Fachvorträgen dort allerdings unter bestimmen Voraussetzungen schon.

Und die Weiterbildungsveranstaltungen müssen vorher angekündigt sein. „Wir wollen schon dokumentiert wissen, dass der Lehrstoff inhaltlich-didaktisch vorbereitet ist“, betonte Beutelmann, der auch Vorstandsvorsitzender des Berufsbildungswerks der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) ist.

Pilotphase ab Jahresmitte

Einen Teilnahmenachweis gibt es bereits im ersten Weiterbildungsjahr, einen Weiterbildungspass nach zwei Jahren, das Zertifikat am Ende des fünften. Vermittler können auf diese Weise auch sichtbar bei ihren Kunden punkten. Darauf weist die Initiative hin. Mit der gerade freigeschalteten Homepage (www.gutberaten.de) will sie Transparenz herstellen.

Am 1. Juli 2013 geht das Konzept mit zwölf Pilotunternehmen in die Erprobungsphase. Ab 2014 sind bundesweit Versicherungsvermittler, Versicherungs- und Finanzdienstleister sowie Bildungsanbieter eingeladen mitzumachen. „Lernen kann ja auch Spaß machen“, so Jenssen.

Möglichst alle der gegenwärtig über 250.000 registrierten Vermittler – ganz gleich ob haupt- oder nebenberuflich – möchte die Brancheninitiative für ihr Weiterbildungskonzept gewinnen.

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