PKV: Verdi soll Gutachten veröffentlichen

Top News Versicherungen von Stefan Terliesner

Einführung einer Bürgerzwangsversicherung vernichtet angeblich bis zu 100.000 Arbeitsplätze in der Versicherungsbranche.

Der Verband der Privaten Krankenversicherer (PKV-Verband) fordert die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf, „das in ihrem Auftrag erstellte und von ihren Mitgliedern bezahlte“ Gutachten über die Folgen der Einführung eine Zwangsversicherung in der Kranken- und Pflegeversicherung für alle Bürger zu veröffentlichen. Dann könnten sich auch die Arbeitnehmer in der Versicherungsbranche über die Folgen einer solchen Bürgerzwangsversicherung informieren. Angeblich droht der Verlust von 100.000 Arbeitsplätzen in der Versicherungsbranche.

Verdi wird das Gutachten allerdings nicht veröffentlichten. „Dies ist nur ein erster Entwurf“, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Der beauftragte Gutachter habe die Aufgabe – die Ermittlung von Szenarien zur Beschäftigungssicherung – nicht erfüllt. „Deshalb wurde die vorgelegte Fassung der Studie nicht abgenommen, sondern zur Überarbeitung im Sinne der ursprünglichen Aufgabenstellung sowie zur Beseitigung von Widersprüchlichkeiten und offenen Punkten zurückgegeben“, berichtet Verdi.

Zuvor hatte der PKV-Verband in einer Pressemitteilung Bezug genommen auf namentlich nicht genannte Medienberichte über ein Verdi-Gutachten, wonach die Einführung einer „Bürgerversicherung“ bis zu 100.000 Arbeitsplätze vernichten würde. Reinhold Schulte, Vorsitzender des PKV-Verbands, nahm dies zum Anlass, seine Position deutlich zu machen: SPD, Grüne und Linkspartei wollten „stabile Unternehmen zerschlagen“ und „eine funktionierende Branche“ zerstören. Den von der Opposition angestrebten Weg in die Bürgerzwangsversicherung bezeichnet er als „fatale Irrfahrt“.

Es gebe keinen Grund für eine Zerschlagung des dualen deutschen Gesundheitssystems, mit dessen Leistungen die Bürger heute so zufrieden seien wie seit Jahrzehnten nicht mehr. „Die Patienten in Deutschland genießen heute die kürzesten Wartezeiten von allen EU- und OECD-Staaten, sie haben den freiesten Zugang zu Ärzten und Krankenhäusern wie auch zu medizinischen Innovationen – und all dies unabhängig vom Versichertenstatus“, betont Schulte. Der Blick ins Ausland zeige, dass Einheitssysteme zu viel stärkeren Leistungskürzungen und in der Folge zu „echter Zwei-Klassen-Medizin“ führten, „weil sich dann nur noch Wohlhabende die bestmögliche Versorgung jenseits des Einheitssystems leisten können oder sogar ins Ausland flüchten.“

In der Pressemitteilung fehlt nicht der Hinweis auf „mehr als 170 Milliarden Euro“ Alterungsrückstellungen, welche die privaten Krankenversicherer für ihre Mitglieder gebildet hätten. Auch hätten in der PKV neun Millionen Menschen eine Krankenvollversicherung abgeschlossen. Nicht erwähnt wird, dass die größte Gruppe bei den Privatversicherten Beamte und Pensionäre mit rund 42 Prozent bilden. Der Anteil der Angestellten liegt lediglich bei 11,6 Prozent. Weitere Gruppen sind Selbstständige (15,7 Prozent), Rentner (7,5 Prozent), Studenten (2,9 Prozent), Arbeitslose (0,2 Prozent) und sonstige Nichterwerbstätige (19,9 Prozent), zu denen beispielsweise Kinder zählen. Dies geht aus einer im September 2012 veröffentlichten PKV-Publikation hervor.

Foto: PKV-Verband / Schulte