Pflege-Bahr: Aktuare bezweifeln Kostenexplosion

Versicherungen von Gloria Ballhause

Kritiker befürchten aufgrund des Kontrahierunszwangs, dass sich die Pflege-Bahr-Tarife in den kommenden Jahren massiv verteuern werden. Versicherungsmathematiker halten von diesen Vermutungen wenig.

Der Pflege-Bahr hat bislang keine große Begeisterung ausgelöst. Verbraucherschützer etwa veröffentlichten in der vergangenen Woche eine Studie, die den Pflege-Bahr-Tarifen ein schlechtes Zeugnis ausstellte. Die geförderten Tarife könnten die finanzielle Lücke im Pflege-Fall nicht schließen, so der Tenor von Stiftung Warentest. Auch Makler zeigten sich in Sachen Pflege-Bahr bisher skeptisch. Kritikpunkt war unterem anderem der Kontrahierungszwang.

Versicherungsmathematiker sehen die Lage nun ganz anders. Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) bezeichnete Vermutungen über eine Verteuerung der Tarife aufgrund des Kontrahierungszwangs für „völlig haltlos“.

Der Berufsverband der Aktuare verweist auf seine langjährige Erfahrung: Man blicke auf 25 Jahre Erfahrung bei der Berechnung von Pflegezusatzversicherungen und auf 20 Jahre Pflegepflichtversicherung zurück. Mit beiden Versicherungsarten sei die gesamte Bevölkerung erfasst und eine stabile Kalkulation der Tarife möglich gewesen, erklärte die DAV im Rahmen ihrer Jahresversammlung in Berlin.

Um negative Auswirkungen des Kontrahierungszwanges auf die Beitragsentwicklung auszuschließen, haben die Versicherungsmathematiker an verschiedenen Schrauben gedreht: Zusätzlich zu dem klassischen Sicherheitszuschlag, der bei den meisten Tarifen zwischen 5 und 10 Prozent liege, wirke etwa die gesetzliche Regelung einer fünfjährigen Wartezeit wie ein 5-prozentiger Sicherheitsaufschlag, heißt es vonseiten der DAV.

Zudem haben die Aktuare mit einem Rechnungszins von 2,75 Prozent kalkuliert. Dies bewirke, dass auch in der aktuellen Niedrigzinsphase in den ersten Jahren erhebliche Überzinsen erzielt werden (die Nettoverzinsung der PKV-Unternehmen lag im Jahr 2012 bei über 4 Prozent) könnten. Diese könnten ausschließlich beitragsstabilisierend eingesetzt werden.

Foto: © alphaspirit - Fotolia.com

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