Krimi bei Wölbern

Sachwerte Top News von Robert Krüger-Kassissa

Wölbern soll Fondsgelder veruntreut haben und beschäftigt die Justiz. Zudem will der Initiator seine Immobilien im Paket verkaufen und sich aus dem Markt zurückziehen.

Bei Wölbern Invest, einst ein Initiator mit einem guten Ruf und guten Fonds, geht es derzeit hoch her. Der Wendepunkt für diese Entwicklung ist nach Meinung von Christoph Schmidt, Fondsbeirat des Wölbern-Fonds Österreich 04, das Zwangsvollstreckungsverfahren gegen Wölbern-Chef Prof. Dr. Heinrich Maria Schulte im Dezember 2011. „Es wurde aufgrund einer gerichtlich entschiedenen Forderung gegen die Wölbern Invest KG gegen Herrn Prof. Schulte als Komplementär die Forderung geltend gemacht. Eine Zwangsversteigerung wurde nicht durchgeführt, sondern vielmehr beantragt. Die Forderung wurde danach beglichen“, sagt Thomas Kühl, Generalbevollmächtigter der Wölbern Invest.

Vorwurf der Untreue

Die Vorwürfe wiegen mittlerweile schwer. Von möglicher Untreue sprechen einige Anlegerschutzanwälte, die sich mit Wölbern beschäftigen. Denn Wölbern soll freie Gelder aus Fonds entnommen haben, um diese in anderen Bereiche der Gruppe zu verwenden. „Wenn ein Verwalter einer Wohnungseigentümergemeinschaft Gelder der Instandhaltungsrücklage für private Zwecke entnimmt, ohne dafür die Genehmigung der Eigentümer zu haben, begeht er damit eine Unterschlagung nach § 246 Abs. 2 StGB“, sagt Fondsbeirat Schmidt. „Wölbern erklärt inzwischen, die in 2011 in Summe aus allen Fonds abgezogenen 40 Millionen Euro seien in 2012 zurückgeführt worden. Dies macht die Unterschlagung zwar nicht ungeschehen, könnte die strafrechtlichen Folgen allerdings mildern.“ Trotz Urteil des Landgerichts Hamburg vom Februar wird nach Schmidt den Fondsbeiräten die Einsicht in die Kontoauszüge verwehrt. „Wir hatten im vergangenen Jahr den Gesellschaftern vorgeschlagen, die Gesellschafterversammlung als oberstes Entscheidungsorgan zu stärken. Dieser Vorschlag hat die Zusammenarbeit mit einigen Beiräten beeinträchtigt“, entgegnet Kühl.

Paketverkauf der Immobilien

Aktuell kündigt Wölbern an Fondsimmobilien als Paket verkaufen zu wollen sich aus dem Retailmarkt zurückzuziehen. Der Paketverkauf schmeckt beispielsweise Fondsbeirat Schmidt nicht, hat aber nach Wölbern viele Vorteile. „Als Wölbern in den Jahren 2006/2007 den Anlegern den Portfolioverkauf angeboten und umgesetzt hat, hat niemand aufgeführt, dass Einzelverkäufe vorteilhafter sein könnten“, sagt Kühl. Im Österreich 04 sind unter den 3.500 Anlegern wie für geschlossene Fonds statistisch gesehen üblich viele ältere Kommanditisten. „Viele davon wissen gar nicht, in welchen Krimi sie da hineingeraten sind“, sagt Schmidt.

procontra-Leistungsbilanzauswertung

In der aktuellen procontra-Auswertung der Leistungsbilanzen (Leistungsbilanz 2011) schnitt Wölbern sogar noch gut ab und erhielt die Note 2+. Auch dafür hat Schmidt eine Erklärung: „Nach meinem Kenntnisstand gibt es Differenzen zwischen den Zahlen in den Geschäftsberichten und der letzten Leistungsbilanz.“ Dazu Kühl von Wölbern: „Abweichungen zwischen Geschäftsberichten und der letzten Leistungsbilanz konnten wir nicht feststellen. Die unsubstanziiert in den Raum geworfene Behauptung entbehrt jeder Grundlage.“

Foto: Thomas Kühl/Wölbern Invest

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