Im Netzwerk des S&K-Skandals - Teil 1

Sachwerte Top News von Matthias Hundt, Robert Krüger-Kassissa

Es ist ein langer Weg vom Initiator bis hin ins Kundendepot: Finanzaufsicht, Gutachter, Analysten, Medien und auch der Vermittler selbst halten Aktien am Erfolg zweifelhafter Beteiligungsprodukte. procontra beleuchtet die Schwachstellen...

Als Rüdiger Dresing (Name von Redaktion geändert) aus Dülmen im Münsterland am 19. Februar dieses Jahres die Meldung über die Razzia in den Räumen der Firmengruppe S&K vernahm, lief es ihm eiskalt den Rücken herunter. Anlagebetrug und Schneeballsystem waren die Begriffe, die ihm ins Mark fuhren. Dresing selbst hatte den ersten Fonds der Fondsgesellschaft United Inves-tors (meldete Ende März 2013 Insolvenz an), den S&K Real Estate Asset Value, 2009 vermittelt.

„Meine Kunden wollten zweistellige Renditen, also habe ich mich auf die Suche gemacht und bin schließlich bei United Investors in Hamburg gelandet“, erinnert sich Dresing. Der damalige Vertriebsleiter konnte ihm das Konzept plausibel erklären, ebenso die prognostizierte Rendite durch das Geschäft mit Zwangsversteigerungen glaubhaft darstellen. Die Risiken einer unternehmerischen Beteiligung – der Totalverlust – wollten viele seiner Kunden nicht hören. Nun stehen die Gelder seiner Kunden auf dem Spiel, ebenso wie die Frage, ob er als Vermittler in die Haftung genommen werden wird. Für den von Dresing vermittelten Fonds gab es im Januar dieses Jahres den Gesellschafterbeschluss zur prognosegemäßen Fondsauflösung. Die Bestände sollten veräußert und der Gegenwert an die Anleger zurückgezahlt werden. „Damit wären meine Kunden relativ unbeschadet aus der ganzen Anlage rausgekommen“, berichtet Dresing im Gespräch mit procontra. Denn: „Bislang schüttete der Fonds immer pünktlich und prognosegemäß 12 Prozent jährlich aus.“

Doch die Razzia vom 19. Februar 2013 durchkreuzte diesen Abwicklungsplan. Sämtliche Konten sind seitdem eingefroren, die Bemühungen um eventuelle Immobilienveräußerungen liegen auf Eis. Die Staatsanwaltschaft formuliert: „Es besteht der Verdacht, dass für mehrere Fonds Gelder eingesammelt wurden, die nicht in der den Anlegern versprochenen Form angelegt, sondern zweckwidrig verwendet wurden. Die als angebliche Sicherheit gelisteten Immobilien sollen teilweise gar nicht im Bestand der S&K Gruppe gewesen sein und zu einem großen Teil auch belastet gewesen sein“, so Doris Möller-Scheu von der Staatsanwaltschaft in Frankfurt. Bis zum abschließenden Urteil besteht auch im Fall S&K selbstverständlich die Unschuldsvermutung. Doch S&K ist die Gegenwart und wird – sofern sich der Verdacht bestätigen sollte – die Reihe der Finanzskandale um ein weiteres Kapitel erweitern. In jedem Fall wirft es erneut die Frage auf, warum trotz aller Kontrollorgane, Aufsichtsbehörden und Regulierungsmaßnahmen dem Betrug weiterhin Tür und Tor offen stehen. In der Aufarbeitung wird klar, dass der lange Weg vom kriminellen Gedanken des Initiators bis hin ins Depot des Kunden gesäumt ist von unklaren Zuständigkeiten, fragwürdigen Qualitätsprüfungen und oftmals auch fehlendem Menschenverstand. All diese Fehlkonstellationen wirken wie Wasser auf die betrügerische Saat von Marktteilnehmern, wie sie vermutlich auch Stephan S. und Jonas K., die Köpfe der Firmengruppe S&K, gesät haben.

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