Daumen runter für Pflege-Bahr-Verträge

Versicherungen Top News von Carla Fritz

In Bausch und Bogen durchgefallen ist bei der Stiftung Warentest die neue geförderte Pflegetagegeldversicherung. Besser einen Normaltarif nehmen – sofern man das finanziell durchhalten kann, lautet die Empfehlung.

Nicht abschließen, rät die Stiftung Warentest in Bezug auf die staatlich geförderte neue private Pflegetagegeldversicherung. Denn erstens schließen die Angebote die finanzielle Lücke im Pflegefall „bei Weitem nicht“, kritisieren die Warentester.

Und zweitens sind nach ihrer Einschätzung auch die weiteren Versicherungsbedingungen nicht vorteilhaft. „Da hilft dann auch die staatliche Förderung von fünf Euro im Monat nicht mehr“, so Herman-Josef Tenhagen von „Finanztest“ bei der Präsentation der Testergebnisse in Berlin. Allenfalls für Kunden, die wegen ihres hohen Alters oder einer Vorerkrankung bei Verträgen ohne Zulage keine Chance haben, kämen demnach Tarife mit staatlicher Förderung in Frage. Ebenso für Jüngere mit erhöhtem Krankheitsrisiko.

Es reicht nicht

Etwa die Hälfte der Kosten bei intensiver Pflege im Heim oder zu Hause trägt nach Angaben der Verbraucherexperten die gesetzliche Pflegeversicherung. Die im Schnitt restlichen 1.500 bis 1.800 Euro monatlich müssten folglich aus eigener Tasche beziehungsweise durch Angehörige aufgefangen werden – für unbestimmte Zeit. Die untersuchten 17 Zulagentarife decken jedoch zumeist höchstens 600 bis 700 Euro ab. Davon müssen auch im Pflegefall weiterhin Beiträge gezahlt werden.

Schlechter gestellt im Vergleich zu klassischen privaten Pflegetarifen sind Kunden hier außerdem bei Wartezeiten von in der Regel fünf – sonst maximal drei – Jahren sowie häufig auch bei den Leistungen im Falle einer Demenz.

Erhebliche Beitragsunsicherheit

Dazu kommt eine erheblich größere Beitragsunsicherheit. Denn eine Gesundheitsprüfung gibt es bei geförderten Verträgen nicht. Jeder muss aufgenommen werden. Das ist zwar ein Vorteil. Doch laufen die ursprünglich kalkulierten Kosten aus dem Ruder, dürfe der Versicherer die Beiträge erhöhen, so Holger Rohde, wissenschaftlicher Leiter Versicherungen und Recht bei der Stiftung Warentest. Diese Gefahr besteht demnach beim „Pflege-Bahr“ eher.

Deshalb lohnen sich nach seinen Worten auch Kombiprodukte aus Zulagen- und Normaltarifen nicht. Der geringe Preisvorteil – sofern vorhanden – sei nur für den Einstiegszeitpunkt sicher.

„Gute“ und „sehr gute“ Alternativen

„Die gute Botschaft“, die er zu verkünden hatte: Unter den ungeförderten Produkten gibt es „sehr gute“ sowie viele „gute“ Tarife, die empfehlenswert sind. Mit einem Monatsbeitrag von rund 55 Euro für 45-jährige Neukunden und 85 Euro für 55-jährige sichern sie, wie der Check ergab, das finanzielle Pflegerisiko in allen Pflegestufen ab. Spitzenreiter im Ranking ist die Hanse Merkur, die zweimal das Qualitätsurteil „Sehr gut“ erhielt.Bei den 23 getesteten Angeboten ohne staatliche Zulage gibt es allerdings gravierende Leistungsunterschiede, die im Alter zum Teil über 1.000 Euro im Monat ausmachen. Auch darauf weisen die Verbraucherexperten hin. Private Pflegetagegeldversicherungen sind nach ihrer Ansicht eine Alternative nur für diejenigen, die sicher sind, die – „wahrscheinlich weiter steigenden Beiträge“ – bis ins hohe Alter aufbringen zu können.


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