BU: Qualität und Quote

Berater procontra-Kolumnisten Top News von Michael Franke

Die Branche muss Lösungen für die breite Bevölkerung etablieren, anstatt sich ausschließlich um die Elite der BU-Versicherbaren zu kümmern.

Qualität ist alles in der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Aus gutem Grund: Wer nicht mehr arbeiten kann und zuvor an der Absicherung gespart hat, bereut dies bitterlich. Doch nur etwa jeder Vierte sorgt hierzulande nennenswert gegen das Risiko Berufsunfähigkeit vor – Tendenz fallend. Die hohe Produktqualität auf dem BU-Markt ändert daran offensichtlich nichts.

Ein Grund für die fast skandalös niedrige Absicherungsrate ist die Unkenntnis der Alternativen zum oft (zu) teuren oder gesundheitsbedingt unerreichbaren Top-Produkt. Was viele vergessen: Eine „Teilkasko“ ist oft besser als gar kein Schutz. Aber selbst viele Vermittler tun sich mit Produkten unterhalb der Top-BU schwer. So manche Beratung hört nach der BU auf. Unfallversicherungen kommen manchen eher in den Sinn als Temporäre BU, Erwerbsunfähigkeits- und Grundfähigkeitsversicherung sowie Multi-Deckungen.

Auch deshalb, weil Verbraucherschützer seit Langem alles unterhalb des „Vollkasko“-Schutzes als minderwertig kritisieren. Statt die viel zu niedrige Absicherungsquote und die mangelnde Kenntnis der Alternativen in den Fokus zu rücken, wird weiter vehement die Qualität des BU-Schutzes diskutiert.

Der Markt braucht ein individuelles Versicherungsangebot für unterschiedlichste Bedürfnisse. Bezahlbare und langfristig tragfähige Produkte müssen darüber hinaus mit der beruflichen Reintegration zusammengebracht werden. Kurz: Die Branche muss Lösungen für die breite Bevölkerung etablieren, anstatt sich ausschließlich um die Elite der BU-Versicherbaren zu kümmern.

Neben der Qualität muss auch eine möglichst hohe Quote (Anteil der Erwerbstätigen mit Absicherung) ein zentrales Ziel sein. Doch dafür müssen die Optionen bekannt sein. Um das zu erreichen, darf die Diskussion in der BU nicht länger auf die Produktqualität beschränkt bleiben.

Foto: Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg