Pflege-Bahr knackt 10.000er Marke

Top News Versicherungen von Stefan Terliesner

14 Versicherer tummeln sich bisher im Bereich der staatlich geförderten Pflegetagegeldversicherung. Der Start gestaltet sich schwierig. Die Allianz reicht im Mai einen Ergänzungstarif nach.

Die Barmenia ist als erster Versicherer seit dem 10. Dezember 2012 mit ihrem geförderten Produkt „Deutsche-Förder-Pflege“ am Markt. Anfang Februar gab Josef Beutelmann, Vorstandsvorsitzender der Barmenia Krankenversicherung a. G., die Zahl der Abschlüsse mit 1.400 an. Das Schwergewicht auf dem privaten Krankenversicherungsmarkt, die ERGO-Gruppe mit DKV und ERGO Direkt, kommt eigenen Angaben zufolge aktuell auf rund 6.000 Abschlüsse. Ähnlich hoch könnte die Zahl bei der zweiten Branchengröße, Debeka, liegen. Konkrete Zahlen wollt die Debeka auf Anfrage aber nicht nennen.

Auch die Allianz, erst seit dem 29. Januar mit ihrem geförderten Produkt am Start, möchte derzeit keine Zahl nennen. Insgesamt aber ist die Prognose nicht gewagt, dass zehn Wochen nach dem offiziellen Start des Pflege-Bahrs mehr als 10.000 Kunden einen Vertrag abgeschlossen haben. Für Liebhaber runder Zahlen, wäre damit eine erste „psychologisch wichtige“ Marke geknackt. Die Zahl zeigt aber auch: Der Start ist mühsam. 

Drei Leistungsstufen

Beim Leistungsumfang kristallisiert sich eine Mehrheit mit folgenden Leistungsstufen heraus: 100 Prozent in Pflegestufe III, 60 Prozent in Pflegestufe II, 30 Prozent in Pflegestufe I, 10 Prozent in Pflegestufe O – jeweils bezogen auf den Mindesttagessatz von 20 Euro bzw. monatlich 600 Euro in Pflegestufe III. Bei der Debeka gelten folgende Sätze: 100 Prozent, 70 Prozent, 35 Prozent und 20 Prozent. DKV wiederum geht mit ihrer „Kombimed Förderpflege“ einen etwas anderen Weg: Wer 15 Jahre versichert ist – ob mit oder ohne Leistung –, erhält höhere Leistungen. Während vor Ablauf der 15 Jahre die Leistungen den gesetzlich vorgegebenen Sätzen entsprechen (siehe „Voraussetzungen für die Förderung“), steigen die Leistungen nach 15 Jahren an – auf 20 Prozent in Pflegestufe 0, 30 Prozent Pflegestufe I, 70 Prozent in Pflegestufe II und 110 Prozent in Pflegestufe III, berichtet eine Unternehmenssprecherin gegenüber procontra.

Ein Leistungsbaustein, den fast alle Versicherer anbieten: Die gesetzlich verlangte Wartezeit von fünf Jahren entfällt bei unfallbedingter Pflegebedürftigkeit. Ebenfalls gibt es fast überall einen Aufbautarif. Bei der Barmenia schließen rund 15 Prozent der versicherten Personen neben dem staatlich geförderten Pflegetagegeld die Aufbaustufe „Pflege+“ ab, berichtet das Unternehmen. Inklusive der „Deutschen-Förder-Pflege“ dürfte das Pflegegeld aber nicht über 2.500 Euro im Monat liegen. Assistance-Leistungen müssen die Anbieter ebenfalls in ihren Aufbaustufen anbieten, was mehrheitlich auch geschieht. Bei der Allianz kann der Kunde den geförderten Tarif mit dem bestehenden Tarif „PflegetagegeldBest“ kombinieren. Im Mai will die Allianz zusätzlich den Ergänzungstarif „PflegetagegeldPlus“ zum geförderten Produkt einführen, so eine Sprecherin.


Voraussetzungen für die Förderung (Auswahl):

  • Pflegepflichtversicherung (sozial oder privat) erfüllt
  • Bei Abschluss des geförderten Vertrags dürfen keine Leistungen wegen Pflegebedürftigkeit oder eingeschränkter Alltagskompetenzen aus der sozialen Pflegeversicherung geflossen sein
  • Bei Abschluss der geförderten Vertrags Mindestalter 18 Jahre
  • Bei Abschluss des Vertrags darf kein weiterer geförderter Pflegeversicherungsvertrag bestehen
  • Monatlicher Eigenanteil am Beitrag von mindestens 10 Euro
  • Vereinbartes Pflegemonatsgeld in Pflegestufe III von mindestens 600 Euro
  • Mindestleistungsumfang: 600 Euro bzw. 100 Prozent in Pflegestufe III, 30 Prozent in Pflegestufe II, 20 Prozent in Pflegestufe I, 10 Prozent in Pflegestufe O (jeweils auf das in Pflegestufe III vereinbarte Pflegetagegeld)

  • Versicherer dürfen keine Risikozuschläge oder Leistungsauschlüsse verlangen

  • Versicherer müssen jeden Kunden, der noch nicht pflegebedürftig oder in Pflegestufe 0 ist, aufnehmen


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