Leistungsdruck:Versicherer reagieren

Versicherungen von Carla Fritz

Psychostress am Arbeitsplatz, Internet- und PC-Spielsucht bei Jugendlichen. Auch Krankheiten sind heute nicht mehr das, was sie mal waren. Sozial- und private Versicherungen sind gefordert – und reagieren.

Um rund 25 Prozent auf 1,1 Millionen wuchs die Anzahl der medizinischen Reha-Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung von 2005 bis 2012. Diese Zahlen wurden auf dem 22. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium mit rund 1.500 Experten in Mainz genannt. Tendenz weiter steigend.

Ursächlich dafür sind den Angaben zufolge die Alterung der Gesellschaft, das sich verändernde Krankheitsspektrum und die sich wandelnde Arbeitswelt. Die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er- und 1970er-Jahre erreichten vermehrt ein Alter, in dem der Reha-Bedarf wachse. Zugleich beginne die sozialpolitisch angestrebte Verlängerung der Lebensarbeitszeit zu wirken, so Axel Reimann, Direktor der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Pathologisch abhängig
Der stärkste Zuwachs findet sich nach seinen Worten bei den psychischen Erkrankungen mit einem Anstieg der medizinischen Leistungen allein in den letzten fünf Jahren um rund 35 Prozent. Der pathologische PC- und Internetgebrauch gehöre dabei zu den Abhängigkeitsrisiken, denen vor allem junge Menschen unterliegen. Darauf wies der Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Professor Manfred E. Beutel, hin.
Nach Studienergebnissen beschäftigen sich etwa zwölf Prozent der Jugendlichen exzessiv mit dem Internet. Drei Prozent sind demnach bis zu zwölf Stunden täglich online und zeigen deutliche Suchtmerkmale. Sie leiden unter Beeinträchtigung der Konzentration und Arbeitsfähigkeit. An die Rentenversicherung erging Beutels Aufforderung, sich mit ihren Reha-Leistungen auch der Behandlung von Internet- und Computerspielsucht mehr und mehr zu stellen.

Neuer Baustein
Suchterkrankungen, ein Thema, das zunehmend auch die private Krankenversicherung umtreibt. Gerade hat die Gothaer für den ersten April einen neuen Baustein zu ihren Krankenvollversicherungstarifen MediVita und MediStart angekündigt. MediMPlus „deckt mit erweiterten Leistungen bei Psychotherapie und Entziehungsbehandlungen sowie einem offenen Hilfsmittelkatalog nicht nur die vom PKV-Verband empfohlenen Mindestkriterien ab“, wie das Unternehmen informiert. Der neue Baustein gehe mit einer kompletten Übernahme der Restkosten bei Hospizversorgung und Palliativleistungen „noch einen entscheidenden Schritt weiter“.

Kein Mindestleistungskatalog
Den Zusatztarif können nicht nur Neu-, sondern auch Bestandskunden mit Bisex-Tarifen abschließen – ohne Gesundheitsprüfung. Bei psychotherapeutischen Leistungen erhöht sich dadurch die Zahl der Sitzungen von 20 auf 50. Bei Entziehung/Entwöhnung werden die Leistungen so von einer auf drei ambulante und/oder stationäre Behandlungen aufgestockt.

Ein Verbandssprecher des PKV erklärte dazu gegenüber procontra: Man begrüße, dass PKV-Unternehmen ihre Leistungen zu Gunsten der Versicherten ausbauen beziehungsweise ausgebaut haben. Einen offiziellen Katalog mit Mindestleistungen gebe es allerdings nicht.

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