„Der VGF ist keine Branchenpolizei“

Sachwerte Top News von Robert Krüger-Kassissa

Marc Drießen, Vorstand der Hesse Newman Capital AG, im Interview über die Lehren aus dem S&K-Fall, wie Anleger seriöse Angebote von unseriösen unterscheiden können und was das Unternehmen in diesem Jahr vorhat.

procontra: Der S&K-Skandal ist in aller Munde. Was ist Ihre Meinung dazu?

Marc Drießen: Es ist fatal, dass erneut mit enormer krimineller Energie Millionen Anlegerkapital vernichtet wurde. Folgenschwer für jeden einzelnen Betrogenen, aber auch für unsere Branche. Denn in der allgemeinen Wahrnehmung stehen nicht vor allem die handelnden Personen in der Kritik – sondern auch das Produkt geschlossener Fonds. Dabei handelt es sich bei den S&K-Geschädigten nicht nur um Zeichner von geschlossenen Fonds.

procontra: Wie sehr schaden Negativnachrichten, wie es sie bei S&K zuhauf gab, der gesamten Branche?

Drießen: Die Verunsicherung bei Anlegern wie Vertrieben ist dadurch natürlich groß. Die Folge sind Umsatzrückgänge. Das einzige, womit wir als Branche überzeugen und verlorenes Vertrauen zurückgewinnen können, ist: Anleger besser über Merkmale von unseriösen Angeboten aufzuklären und selber Qualität zu liefern.

procontra: Klingt recht floskelhaft. Zudem sagen das doch zunächst einmal alle von sich?

Drießen: Die Frage ist doch: Woran kann ich als Anleger seriös von unseriös unterscheiden. Kein Wirtschaftsdelikt wird so stark von den Opfern mitgestaltet wie der Kapitalanlagebetrug. Fehlgeleitete Investitionen sind laut eines Forschungsprojekts des Bundeskriminalamtes (BKA) im Kern vor allem auf eine Ursache zurückführen: Das Ausnutzen von Unwissenheit der Investoren.

procontra: Wie wollen Sie konkret aufklären?

Drießen: Um Anlegern aber auch unseren Vertrieben ganz praktisch dienen zu können, haben wir FondsMedia gebeten, einen Investorenleitfaden zu entwickeln. Entstanden ist eine Checkliste – speziell für Deutschland-Immobilienfonds. Damit lässt sich sehr konkret ein Angebot auf seine Seriosität hin prüfen.

procontra: Sollte sich nicht auch der VGF als Verband der Qualitätsanbieter mehr von „schwarzen Schafen“ distanzieren?

Drießen: Das ist ein schmaler Grat. Der VGF kann nicht die Aufgabe einer Branchenpolizei übernehmen oder als Ratingagentur fungieren. Alleine auf Grund potenzieller Schadensersatzthemen kann es immer nur Aufgabe des Verbands sein, Leitplanken für das zu setzen, was innerhalb des Verbands stattfindet.

procontra: Aber könnte der VGF nicht auch eine schwarze Liste veröffentlichen, beispielsweise mit Initiatoren deren Aufnahmeantrag abschlägig beurteilt wurde?

Drießen: Kriminelle Energie können Sie so nicht ausbremsen – weder als Verband noch als kritischer Branchenjournalist oder als Gesetzgeber. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Nicht die Negativ-, sondern die Qualitätsauslese kann Anlegern Orientierung bieten. Zum Beispiel kann eine Wohlverhaltensrichtlinie für die Verbandsmitglieder helfen einen einheitlich hohen Qualitätsstandard zu etablieren.

procontra: Was planen Sie bei Hesse Newman in diesem Jahr – halten Sie an der KG fest oder weiten Sie Ihre Produktpalette aus?

Drießen: Wir werden weiterhin Immobilienfonds in klassischen KG-Modellen auflegen, arbeiten aber auch an alternativen Lösungen, u.a. entwickeln wir aktuell ein Immobilienangebot als Genussrecht. Das machen wir allerdings explizit nicht, um am KAGB vorbeizukommen. Solche Versuche halte ich für inakzeptabel. Das Signal des Gesetzgebers ist eindeutig: keine unregulierten Finanzprodukte mehr. Daher erwarte ich, dass jeder Versuch das KAGB zu umgehen, schnell eingedämmt wird. Für Genussrechts-Konstruktionen spricht jedoch u.a. die Möglichkeit, unter die Abgeltungsteuer zu fallen.

procontra: Wann kommt denn Ihr nächstes Genussrechtsprodukt? Und was steckt drin? Auch Immobilien?

Drießen: Ja, auch Immobilien. Wir planen eine Dachfondsstruktur, ähnlich einem Zweitmarktfonds, wir investieren jedoch am Erstmarkt und nur in Green Buildings.

procontra: Wie weit sind Sie denn in puncto AIFM?

Drießen: Wir sind relativ weit. Wir haben die Organisation bereits zum Jahresende umgebaut – z.B. Vertrieb vom Emissionshaus getrennt und den Compliance-Bereich angepasst. Ein Risikomanagement haben wir ohnehin seit jeher. Das Inhaberkontrollverfahren mit der BaFin haben wir zum Ende des letzten Jahres schon bei Beantragung einer KWG-Lizenz durchlaufen.

procontra: Was hat am meisten Mühe bereitet?

Drießen: Das Inhaberkontrollverfahren. Weil die BaFin jeden einzelnen Inhaber prüft, der mehr als 10 % hält, also bei uns vier BaFin-relevante Unternehmer, zwei davon haben eine Vielzahl von Unternehmen. Das Inhaberkontrollverfahren war also echte Fleißarbeit.

Foto: procontra

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare