Den Oldie versichern

Top News Versicherungen von Carla Fritz

Gut erhalten, aber auch gut versichert? Oldtimer machen als Liebhaberstücke das Rennen in der Gunst des Publikums. Ihr Risikoschutz sollte dem Rechnung tragen.

Die Hege und Pflege altgedienter Fahrzeuge inklusive ihrer Präsentation auf speziellen Rallyes und Messen ist seit den 70ern zu einem verbreiteten Hobby geworden. Ein Nischenmarkt mit Wachstumspotenzial – auch für Oldtimerversicherungen –, bei derzeit rund 600.000 amtlich registrierten Fahrzeugen, die älter als 30 Jahre sind. Und jährlich wachsen weitere Fahrzeuge in das Veteranenalter hinein.

Marktwert statt „Restwert“. Das macht vor allem den Unterschied zwischen Oldtimer- und klassischer Kfz-Versicherung. In der Alltagsversicherung à la Schwacke-Liste ist das Auto bekanntlich mit zunehmender Nutzungsdauer immer weniger wert. Die Oldtimerversicherung stellt dagegen darauf ab, was ein solches Liebhaberfahrzeug bei einem Verkauf auf dem freien Markt erzielen würde – meist ergänzt um eine Vorsorgedeckung von 10, seltener auch 20 Prozent. Denn am Markt herrscht Bewegung – „meist nach oben“, sagt Rüdiger Brandenburg vom spezialisierten Assekuradeur OCC aus Lübeck. Ein VW-Käfer-Cabrio wird nach seinen Worten im Moment – im Erhaltungszustand 1 bis 3 und abhängig von der Baureihe – mit einem Wert von etwa 12.000 bis 20.000 Euro notiert.

Guter und originaler Erhaltungszustand. Das ist neben dem entsprechenden Alter die Grundvoraussetzung für eine solche Police – durch Fotos, Fragebogen und, abhängig vom Marktwert, auch gutachterlich zu belegen.
Mindestens die Note „Befriedigend“ sollte es schon sein. „Darunter versichern wir nicht“, sagt Brandenburg. „Eine 4 ist so selten wie Wasser in der Wüste“, bestätigt Oliver Ludwig von der Zurich aus seiner Praxis als Underwriter und Produktentwickler von Oldtimerpolicen. Auf gar keinen Fall eine Zielgruppe seien diejenigen, „die zu einem alten Auto einen billigen Versicherungsschutz suchen“.

Bei Haftpflichtprämien von im Schnitt deutlich weniger als einem Drittel im Vergleich zu den Standard-Kfz-Policen ist das nachvollziehbar und erklärt auch die weitergehenden speziellen Auflagen der Oldieversicherer wie Garagenunterstellung, jährliche Laufleistung zwischen 6.000 und 12.000 Kilometer je nach Anbieter sowie ein Mindestalter des Fahrers – zumeist 23 oder 25 Jahre.

Im Alltag tabu. Bei der AXA muss man oder frau hinterm Lenkrad mindestens 30 Jahre alt sein – sofern das Automobil aus den 80ern stammt. „Golf oder Ford Fiesta dieser Baujahre etwa, billig vom Schrottplatz gekauft, werden häufig als Studentenautos ‚runtergeritten‘“, begründet Petra Koch vom Produktmanagement der Gesellschaft. Versichert ist nun mal nur die Liebhabernutzung. „Auch der Zahnarzt, der seinen Porsche 911 GT1 morgens aus der Garage fährt und in die Tiefgarage seiner Praxis rein, und abends wieder zurück“, könne das nicht darunter verbuchen, stellt OCC-Experte Brandenburg klar. Von daher machen so gut wie alle Gesellschaften bei Pkw-Oldies auch noch einen Zweitwagen für den Alltag zur Bedingung.

Schwieriges Alter. Was kann da eigentlich überhaupt noch schiefgehen – bei so vielen Vorsichtsmaßnahmen? „Gerade ältere Fahrzeuge gehen doch öfter mal in Flammen auf – die Elektrik ist ja eine ganz andere“, antwortet Koch. „Brandschäden mit Vergaser- und Kabelbränden spielen hier aufgrund der alten Technik schon eine Rolle, je älter das Auto ist“, so auch Ludwigs Erfahrung. Daneben sind Vandalismus und Diebstahl ein Thema. Auch Auffahrunfälle passieren. „Manchmal hat man einfach keine Chance“, meint Koch. Und Ludwig weist hier auf die erhöhten Fahranforderungen hin: „Wenn man so ein Fahrzeug gefahren ist, braucht man nicht mehr ins Fitnessstudio.“ Beim Umschalten von Alltagswagen auf Oldtimer – ohne Lenk- und Bremsunterstützung – gibt es auch Situationen, in denen sich der eine oder andere überfordert fühlt und Unfälle verursacht. Aber auch schlicht eine vollgelaufene Tiefgarage kommt vor.

Die Kaskoprämien bewegen sich erfahrungsgemäß in einem Korridor zwischen 1 und 3 Prozent vom Marktwert des Veteranen, in zusätzlich versicherten Einzelfällen auch in Prozent vom Wiederaufbauwert. Er deckt die Summe ab, die in den Oldie investiert wurde – bei richtigen Freaks oft viel mehr, als der Markt dann hergibt.

Mühsamer Vergleich. In der Haftpflicht werden generell feste Beiträge genommen – wie in der Kasko auch hier mit Altersstaffel, wofür beispielsweise die Zurich folgende Pkw-Jahresprämien ausweist: 69 Euro (mindestens 45 Jahre), 83 Euro (mindestens 30 Jahre) sowie zwischen rund 131 und 181 Euro je nach Zustandsnote für die sogenannten Youngtimer (20 bis 29 Jahre). OCC unterteilt noch einmal nach Newtimern – jünger als 20 Jahre, die „aber das Zeug zum Klassiker“ haben. Andere Anbieter wie zum Beispiel AXA versichern nach Baujahr – am günstigsten auch hier die Methusalems mit 54,87 Euro für die Jahrgänge 1886 bis 1955. Und am teuersten die Youngtimer (1980 bis 1984): zwischen 115 und 149 Euro, je nach Motorleistung.

„Es ist ein schwieriges Geschäft – nicht ohne Weiteres aus dem Ärmel zu schütteln“, so Brandenburg. Was für Vermittler den Schluss zulässt, sich entweder zu spezialisieren oder im Kundeninteresse einen Spezialmakler einzuschalten. Zumal in diesem Nischenmarkt unter anderem mit ADAC, Allianz, Concordia, Gothaer, HDI-Gerling, Mannheimer, SIGNAL IDUNA und Württembergischer auch eine wachsende Anzahl von Anbietern unterwegs ist.