Kinder: Das unbekannte (Versicherungs-)Risiko

Berater procontra-Kolumnisten von Peter Schmidt

Eine Absicherung für die Folgen eines Unfalls oder einer schweren Erkrankung? Eltern wie Makler zucken bei dem Thema häufig zurück. Peter Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Vereinigte Post Makler AG, beleuchtet exklusiv für procontra-online dieses Thema.

In jüngster Zeit hat ein Urteil des Sozialgerichtes Karlsruhe zumindest die Medien bewegt, bei dem festgestellt wurde, dass es keinen Unfallversicherungsschutz beim Bewegen eines vereinseigenen Schulpferdes am Wochenende gibt. Konkret: Ein Reitunfall während eines Ausritts mit einem vereinseigenen Schulpferd am Wochenende steht nicht unter Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Ich wohne am Rand von Berlin in einer Gegend wo es sehr viele Reiterhöfe, Pferde und eben auch viele reitbegeisterte Kinder gibt. Wenn man das oben angeführte Urteil liest, dann sieht man als Vorsorgespezialist die reitenden Kinder am Wochenende mit ganz anderen Augen und fragt sich: Wissen die Eltern, was passiert, wenn…?

Es lohnt sich also, das Thema in dieser Kolumne etwas näher zu beleuchten. Jährlich verunglücken in Deutschland rund 1,7 Millionen Kinder. Diese Zahl ist umso  bedrückender, wenn man weiß, dass Kinder zu rund 90 Porzent ihrer Zeit ohne gesetzlichen Unfallschutz unterwegs sind. Der Besuch auf dem Spielplatz, bei Freunden oder im Verein stellt also auch ein großes finanzielles Risiko dar. Zwar sind die Kosten für das Heilen und wieder Gesundwerden meist abgesichert, doch bei Invalidität oder Organversagen und dem damit verbundenen Pflegefall kommen gewaltige Kosten auf die Eltern zu.

Kinder als Pflegefall – häufiger als man denkt
Malt hier ein „Versicherungsmensch“ schwarz? Ich meine nein, wenn man Fakten sprechen lässt. Eins von 167 Kindern bis 15 Jahre in Deutschland ist pflegebedürftig. Über 66.000 Kinder und Jugendliche bundesweit haben eine anerkannte Pflegestufe. Schon Mitte 2010 nannte der BKK-Faktenspiegel  eine Zahl von 93.100  beziehungsweise etwa 4 Prozent Pflegebedürftige, die jünger waren als 20 Jahre. Wussten Sie, dass 43 Prozent der bleibenden Schäden bei Kindern durch Unfall entstehen, aber 57 Prozent durch Krankheit ?

Was passiert im Pflegefall eines Kindes?
Die Statistik zeigt hier an hartes Bild: Fast 100 Prozent, genauer gesagt sind es 99,5 Prozent, aller pflegebedürftigen Kinder werden zu Hause (!) versorgt. Bei Jugendlichen und Erwachsenen liegt diese Quote mit rund 68 Prozent deutlich niedriger. Warum werden Kinder zu Hause gepflegt ? Das liegt zum einen daran, dass Eltern ihre Kinder lieben und sie auch in dieser besonders schwierigen Situation nicht allein lassen wollen.
Zum anderen liegt es wohl auch an dem Mangel an Kinderpflegeheimen in Deutschland, die die Eltern in so einem Fall unterstützen könnten. Daraus ergibt sich fast zwingend, dass ein Elternteil zu Hause bleiben muss – und damit fehlt dann das Einkommen. So kann es im elterlichen Haushalt, bei der Finanzierung eines Autos oder gar eines Eigenheims knapp werden, eine finanzielle Existenzgefährdung der ganzen Familie ist möglich.

Vorsorge inklusive Familienschutz ist angeraten
Schwere gesundheitliche Schäden nach einem Unfall oder einer Krankheit wünscht man niemandem. Treffen können sie allerdings jeden – und auch Kinder in nicht unerheblicher Zahl. Bei Kindern und Jugendlichen kommt etwas Entscheidendes hinzu: Sie haben in der Regel keine Ansprüche aus der gesetzlichen Renten- oder gesetzlichen Unfallversicherung und bleiben im schlimmsten Fall ein Leben lang ohne eigene Einkünfte.

Geeignete Vorsorgeprodukte für die geschilderten Fälle sollten also für Eltern und Makler ein empfohlenes „Muss“ sein! Ich persönlich halte die neuen Grundfähigkeitsrenten für Kinder in Kombination mit einem Pflegetagegeld für eine wirksame Möglichkeit des Vorsorgeschutzes für kleines Geld. Für rund 20 Euro Monatsbeitrag, also in etwa für den Wert einer Blu-ray Disc, kann man den finanziellen Folgen von Invalidität, Organschädigung, Verlust von Grundfähigkeiten, Krebserkrankungen und Pflegebedürftigkeit absichern. Im Leistungsfall würde bei dem vorab genannten Monatsbeitrag eine lebenslange Rente von ungefähr 1.000 Euro ausgezahlt, je nach gewählter Absicherung.

Beachtenswert ist auch, dass einige Versicherer außerdem noch einen besonderen Familienschutz integriert haben, der zum Beispiel einen Ausgleich für den Verdienstausfall eines Elternteils durch die lebenslange Rentenleistung, Erhöhungen der Rentenhöhe bei Tod des Versicherungsnehmers (in der Regel ein Elternteil) vor Eintritt des Leistungsfalls oder Sonderzahlungen vorsieht. Serviceleistungen zur Unterstützung der Eltern bei der Auswahl von Fachärzten, alternativen Behandlungsmethoden oder administrativen Wegen runden das Ganze ab.

Mein Fazit für diese letzte Kolumne 2012:

Nehmen Sie Ihre nächste Begegnung mit Kindern, die einen Hund ausführen, die mit den Skiern oder dem Schlitten in der Winterzeit unterwegs oder die sonst bei Sport und Spiel sind, zum Anlass, endlich eine Versicherung für die Kinder abzuschließen. Das ist mehr als sinnvoll und nützlich – für Kinder, deren Eltern oder die Großeltern! Warum eigentlich nicht auch als Weihnachtsgeschenk der „anderen Art“?

Foto: Peter Schmidt

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