Pflegevorsorge: Konkurrenz der Vorsorgemodelle

Versicherungen Thema Biometrie von Sebastian Brass, Robert Krüger-Kassissa

Auf dem Markt der privaten Pflegevorsorge konkurrieren verschiedene Versicherungsvarianten: Tagegeld-, Renten- und Kostenversicherungen. Für Vermittler liegt die Herausforderung darin, für ihre Kunden das jeweils passgenaue Modell auszuwählen.

Die Gründe für eine private Absicherung der eigenen Pflegebedürftigkeit sind erschlagend. Kein Kunde, der sich ernsthaft mit dem Thema befasst, kann sie guten Gewissens beiseiteschieben. Von wohlhabenden Ausnahmen natürlich abgesehen. Wenn der Entschluss, eine Pflege­vorsorgepolice abzuschließen, gefallen ist, steht jedoch eine grundlegende Entscheidung an: Welches Versicherungsmodell entspricht den objektiven Bedürfnissen und subjektiven Wünschen des Kunden am besten?
Da das Thema Pflegevorsorge in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen hat – wenn auch nach wie vor auf bescheidenem Niveau, Stichwort „Pflegelücke“ –, finden sich auf dem Markt mittlerweile schier unüberschaubar viele Produktvarianten. Bevor man aber mit hinreichender Zielgenauigkeit einen Ver­gleichsrechner zurate ziehen kann, muss man sich darüber im Klaren sein, was man eigentlich sucht. Das Angebot der Assekuranzen lässt sich auf drei Versicherungsprinzipien herunterbrechen, die natürlich alle ihre Vor- und Nachteile haben.

Pflegetagegeld

Bei der von Krankenversicherungen angebotenen Tagegeldversicherung erhält der Versicherte für die Dauer der Pflegebedürftigkeit monatlich einen festen Betrag ausgezahlt. In der Regel bemisst sich dessen Höhe an der jeweiligen Pflegestufe, für die man bei manchen Versicherungen aber auch individuelle Tagessätze vereinbaren kann. So kann man etwa die Pflegestufen unterschiedlich gewichten, wenn man beispielsweise für Stufe I eine relativ hohe oder auch gar keine Absicherung wünscht. Für den Inflationsausgleich sollte zudem eine Dynamik enthalten sein. Was er mit dem Geld anfangen will, bleibt dem Patienten überlassen. Er kann sich also sowohl (teil-)stationär als auch zu Hause von einem professionellen Dienst oder einem Angehörigen pflegen lassen. Die Beiträge liegen, da es sich um eine reine Risikoabsicherung handelt, relativ niedrig, können aber auch steigen, wenn der Versicherer nachkalkulieren muss. Dessen ungeachtet will die Bundesregierung den neuen „Pflege-Bahr“ ausschließlich für die Tagegeldvariante auszahlen. Und auch die Verbraucherzentrale Hamburg gibt sich in Person von Isolde Bock überzeugt: „Damit kommt man am besten weg.“

Pflegerente

Gegenüber dem Tagegeld muss man für eine Pflegerente, die man bei einem Lebensversicherer abschließt, in der Regel höhere Prämien zahlen. Die bleiben dafür aber konstant und fließen in einen Kapitalstock. Im Leistungsfall – nicht unbedingt schon in Pflegestufe I – erhält der Versicherte die zuvor vereinbarte Rente, die er wie das Tagegeld frei verwenden kann. Ihre Höhe kann von Überschussbeteiligungen profitieren, wenn der Anbieter das Geld gut angelegt hat. Verstirbt der Versicherte vor Rentenbeginn oder kündigt er den Vertrag, gibt es eine Beitragsrückerstattung beziehungsweise den Rückkaufswert.

Diesen Vorteil bieten die beiden anderen Modelle nicht. Üblicherweise ver­streicht bis zur Zahlung eine Karenzzeit von sechs Monaten, die man bei manchen Gesellschaften aber auch mitversichern kann. Neuere Tarife bieten große Flexibilität hinsichtlich Prämien, Leistungen, Beitragszahlungsdauer oder auch Einmalzahlungen vor Rentenbeginn. Fazit in einem aktuellen Ranking von MORGEN & MORGEN: „So sind die Pflegerententarife zwar um einiges teurer als die Pflegetagegelder, bieten aber aktuell den besseren Schutz bei langfristig stabilen Beiträgen.“ Ob eine Pflegerente erschwinglich ist, hängt aber wesentlich vom Einstiegsalter ab.

Kostenversicherung

Die ebenfalls von Krankenversicherern offerierte Pflegekostenversicherung schließt die Lücke, die im Pflegefall zwischen den realen Kosten und den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung klafft. Je nach Tarif auch nur zu einem Teil. Sie bietet die günstigsten Beiträge – die allerdings steigen können –, dafür aber auch die geringste Flexibilität. Der Versicherte muss sich de facto sicher sein, entweder von einem professionellen Dienst zu Hause oder in einem Heim gepflegt werden zu wollen. Zudem wird nur erstattet, was der gesetzliche Leistungskatalog abdeckt. Einen weiteren Nachteil benennt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV): „Ich muss die Kosten nachweisen. Das ist ein recht hoher Verwaltungsaufwand.“ Die Kostenversicherung ist damit für besonders preissensible Kunden mit eher geringen Ansprüchen geeignet.

Wichtiger Baustein: Demenz. Welche Variante auch immer man wählt: „Man sollte auf jeden Fall darauf achten, dass Leistungen bei Demenz veingeschlossen sind“, so Rüdiger Falken vom Bundesverband der Versicherungsberater. Die besseren Tarife erlauben in der Regel eine Mitversicherung dieser sogenannten „Pflegestufe 0“. Angesichts der drastischen Zunahme an Demenzerkrankungen in der alternden Gesellschaft würde man dort an der falschen Stelle sparen.
Die Abwägung zwischen den verschiedenen Versicherungsmodellen ist sicherlich keine leichte Aufgabe und muss für jeden Kunden neu vorgenommen werden. Zunächst am besten für die männlichen, denn für die läuft das Zeitalter günstigerer Beiträge am 21. Dezember ab. Auf zum Jahresendspurt also!

Auf den Punkt gebracht:




Dieser Beitrag ist Teil der procontra-Themenbeilage „Biometrie“. Die gesamte Beilage finden als pdf-Dokument auf unseren Special-Seiten.

Foto: © Sergej Khackimullin - Fotolia.com