„Pflege-Bahr“: Maklerdiskussion um Provisionen

Berater Top News von Gloria Ballhause

Anfang Januar fällt der Startschuss für die staatliche Förderung von Pflegezusatzversicherungen. Am sogenannten „Pflege-Bahr“ scheiden sich jedoch die Geister. Das gilt auch für Makler. In Maklerkreisen wird über die Höhe der Provisionen gestritten.

Das Gesetz zur staatlich geförderten Pflegezusatzversicherung ist noch nicht in Kraft getreten, da wird schon über die Höhe der Provisionen diskutiert. Laut Gesetzentwurf dürfen die unmittelbaren Abschlusskosten voraussichtlich maximal zwei Monatsprämien betragen. Zu wenig, findet zum Beispiel Versicherungsmakler Immanuel Behn, der sich im dvb-Maklerforum über die geplante Provisionshöhe echauffiert. „Eine fundierte Beratung zum Thema Pflege wird mit dieser Provisionsregelung wirtschaftlich völlig verunmöglicht“, meint Behn.
Der Makler rechnet vor: Die Provision für einen Pflege-Bahr-Vertrag werde bei 20 bis 40 Euro liegen. „Es gleicht dem verzweifelten Versuch, ohne Anlasser zu starten“, ergänzt Behn. Er vermisst das Engagement der Verbände aufseiten der Makler. Der Verband der privaten Krankenversicherer (PKV-Verband) konnte sich auf procontra-Anfrage nicht zu einem Statement durchringen. Die Höhe der Provisionen sei noch nicht abschließend festgelegt worden, heißt es erklärend beim PKV-Verband.

Nicht alle teilen in Sachen Provisionshöhe Behns Kritik. „Die Fälle, wo der Pflege-Bahr infrage kommt, sind gerade die, bei denen man bisher nichts verdienen konnte“, schreibt etwa Finanzmakler Florian Schulz und verweist auf einen deutlich schlankeren Beratungsprozess. Er meint, dass Pflege-Bahr-Verträge nur für Menschen interessant seien, die sehr wahrscheinlich Pflegeleistungen in Anspruch nehmen werden. Denn für diese Fälle gebe es keine Alternativen. Für ihn ist das Thema durch die Förderung viel stärker in den Fokus gerückt. „Wir machen durch Pflege-Bahr gerade einiges an Mehrumsatz“, hält Schulz Behn entgegen. Der Kunde frage nach einer geförderten Pflegepolice, werde komplett beraten und schließe dann oft einen klassischen Vertrag ab. „Man kann über die Umsetzung streiten, im Fazit sehe ich dies als geschäftsfördernd und nicht als geschäftsschädigend an“, schreibt Schulz. Versicherungsmakler Behn glaubt hingegen, dass die Branche wenig Interesse an der staatlich geförderten Pflegeversicherung hat. „Die ganze PKV-Branche will es eigentlich gar nicht haben“, sagt Behn.

Foto: © Petr Vaclavek - Fotolia.com

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