Rechtsschutz über den Unfall hinaus

Versicherungen Top News von Carla Fritz

Erst Wildwest auf der Straße – dann Kleinkrieg im Gerichtssaal. Mit hohen Kosten. Die Verkehrsrechtsschutzversicherung hilft bei der Durchsetzung eigener Ansprüche, der Makler bei der Suche nach dem passenden Vertrag. Vorher klärt er auf.

So schnell kann es knallen, im Straßenverkehr: wenden im Stau und ein anderer, der überholen will, kommt in die Quere. Vor Gericht sieht man sich wieder. „Mit Sicherheit trifft beide ein Verschulden. Aber der Haftpflichtversicherer des Überholenden erklärt: Wir zahlen gar nicht“, sagt Rechtsanwältin Monika Maria Risch aus Berlin, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im Deutschen Anwaltverein, die hier die Gegenseite vertritt. Oder auf dem Parkplatz: Ein Auto fährt dort ein, das andere donnert von rechts drauf. „Auch da muss man sagen: Hier haben beide nicht aufgepasst. Aber der Haftpflichtversicherer des Rechtsfahrenden will gar nichts tragen.“ So muss Rischs Mandantin ihre Ansprüche – in dem Fall 50 Prozent – klageweise durchsetzen. In beiden Fällen geschieht das jeweils mithilfe einer Verkehrsrechtsschutzversicherung.

Zwei Beispiele aus der Praxis, die verdeutlichen, was im Kundengespräch nicht unbedingt immer so einfach zu vermitteln ist. Denn die eigene Kfz-Haftpflichtversicherung hilft da eben nur begrenzt. Sie wehrt zwar unberechtigte Ansprüche ab und beauftragt im Prozessfall einen Rechtsanwalt auf ihre Kosten. Für die Durchsetzung eigener Ansprüche muss dann aber oft ein eigener Anwalt eingeschaltet werden – unter anderem, wenn die Haftungsverteilung zwischen den Beteiligten unklar ist.
Nicht selten wird ein Sachverständigengutachten gebraucht, um den Unfallhergang zu klären. „Beweispflichtig ist dabei in der Regel der Kläger. Er muss folglich auch die 1.500 oder 2.000 Euro, die ein solches Unfallrekonstruktionsgutachten in der Regel kostet, als Vorschuss ans Gericht zahlen“, so die Versicherungsfachanwältin. Genau das ist gemeint, wenn es in Verkaufs- und Werbeprospekten über die Verkehrsrechtsschutzversicherung heißt: Sie gibt hier finanzielle Rückendeckung – mit der Übernahme von Anwalts-, Sachverständigen- und Gerichtskosten, wenn Schadensersatz, Schmerzensgeld oder Reparaturkosten vom Unfallgegner erstritten werden müssen.
Ein wichtiger Punkt und potenziellen Kunden oft kaum bekannt: Einbezogen sind dabei ebenso die Insassen versicherter Fahrzeuge. „Es gilt das Arche-Noah-Prinzip. Alles, was drin ist, ist versichert“, erklärt Frank Schrodek von der Alte Leipziger, dort zuständig für die Sparte Rechtsschutz. Auch wenn nach einem Unfall strafrechtliche Konsequenzen wegen fahrlässiger Körperverletzung drohen, deckt die Verkehrsrechtsschutzversicherung die anwaltlichen Kosten ab.
Im Alltag sind es aber vielmehr oft die scheinbar kleinen Dinge, die ans Gerechtigkeitsgefühl und zugleich ans Geld gehen: zu schnell gefahren oder falsch gemessen? – Darüber wird gestritten. „Schon in einem Ordnungswidrigkeitsverfahren können leicht Verteidigerkosten von 700 oder 800 Euro entstehen“, so Anwältin Risch. Eine Verkehrsrechtsschutzversicherung würde sie deshalb jedem empfehlen.

Ein Plädoyer für eine solche Absicherung kam jüngst auch von der Stiftung Warentest. Die urteilte über die 90 Tarife von 31 Anbietern mit den Testsiegern Alte Leipziger, BGV Badische und ÖRAG: „Mehr drin, als man denkt“. Denn über Autounfälle hinaus deckt die Police auch sonstige Rechtstreitigkeiten rund um den fahrbaren Untersatz – so aus Kauf-, Reparatur- oder Leasingverträgen. Wenn es um einen drohenden Führerscheinentzug geht oder das Finanzamt die Kfz-Steuer falsch berechnet hat. Und das zu vergleichsweise kleinen Preisen zwischen 65 und 160 Euro ohne Selbstbehalt – wie die Warentester in ihrem Vergleich feststellen.

Unterschiedliche Vertragsvarianten. Beim Verkehrsrechtsschutz ist ein Alleinstehender oder auch eine ganze Familie als Fahrer eigener oder fremder Fahrzeuge versichert, ebenso als Radfahrer und Fußgänger sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln. Man kann entweder nur ein bestimmtes Fahrzeug oder alle Autos der Familie versichern.
Wann die Mitversicherung von Kindern endet – beispielsweise mit 25 oder 28 Jahren –, wäre jeweils zu prüfen. Bei Policen ohne Altersbegrenzung sind dafür Heirat und wirtschaftliche Selbstständigkeit maßgebend. Ohne eigenes Auto, aber häufig mit dem Wagen von Bekannten oder im Mietwagen unterwegs: Hier gibt es mit dem sogenannten Fahrerrechtsschutz außerdem eine Möglichkeit, sich nur als Fahrer fremder Autos zu versichern. Die Police greift, wenn der Fahrer nach einem Unfall wegen Schadensersatz oder Schmerzensgeld vor den Kadi zieht. Schäden am fremden Fahrzeug sind hier in den Rechtsschutz nicht einbezogen.
Einige wenige Gesellschaften bieten diese Lösung zusätzlich auch für das Fahren im eigenen Fahrzeug an. Wegen der Prämienersparnis kann das beispielsweise bei einem Gebrauchtwagen älteren Kalibers sinnvoll sein.

„Achtung! Schleichwege nur auf eigene Gefahr betreten oder befahren!“ Das müsste im Kleingedruckten mancher Tarife eigentlich stehen. In den Standardbedingungen der Verkehrsrechtsschutzpolicen ist die Teilnahme am Straßenverkehr versichert, die Abkürzung über einen Feldweg so unter Umständen nicht gedeckt. Ein weitergehender Schutz auch auf Waldwegen, in den Bergen oder auf öffentlichen Verkehrsflächen, die man zu Fuß oder als Biker erreichen kann, hängt dann gegebenenfalls an Formulierungen wie „versichert als Teilnehmer am öffentlichen Verkehr“. Die Worte auf die Goldwaage legen, nachfragen und im Kundeninteresse abwägen – Maklersache. 

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