„Die Branche hat ein Nachwuchsproblem“

Berater Top News von Gloria Ballhause

Jennifer Brockerhoff wurde zur Jungmaklerin des Jahres in der Kategorie "Neugründung" gekürt. procontra online erfuhr, warum sie der Bank den Rücken kehrte, Frauen anders zu beraten sind als Männer und welche Gemeinsamkeiten Finanzberatung und Mathematik haben.

procontra online: Sie sind gelernte Bankkauffrau. Wie kam es zur Entscheidung, Maklerin zu werden und ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Jennifer Brockerhoff: Ich bin sehr dankbar für die Aus- und Weiterbildungen, die ich in der Bank genießen durfte. Das betrifft vor allem die Zertifizierung im Bereich der Wertpapierberatung. Aber irgendwann habe ich gemerkt, wie die Gemeinsamkeiten weniger wurden. Dann kam die Trennung wie in einer normalen Partnerschaft. Danach kam die Überlegung: Gehe ich ganz aus der Branche oder mache ich mich selbstständig? Die Finanzbranche fand ich jedoch nach wie vor sehr spannend.  Ich hatte mir auch andere Möglichkeiten gesucht, aber immer das Gefühl, dass das Angestelltendasein überall gleich ist. Dementsprechend habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

procontra online: Die Finanzbranche und Finanzberater haben derzeit kein besonders gutes Image. Äußert sich das in Ihrer Arbeit?

Brockerhoff: Nein, das kann ich nicht bestätigen. In meiner Beratung lege ich alle Karten offen auf den Tisch und rede auch über die Dinge, die in der Presse stehen, damit man das richtig einordnen kann. Insofern habe ich eher mit positiver Resonanz zu tun als mit negativer.

procontra online: Sie haben sich auf die Beratung von Frauen spezialisiert. Wie unterscheidet sich die Finanzberatung für Frauen von der Beratung männlicher Kunden?

Brockerhoff: Über die letzten Jahre habe ich die Erfahrung gemacht, dass das ganze Thema Finanzen oft als unangenehm empfunden wird, so wie früher in der Schule die Mathematik. Viele meinen, das sei ein Thema, das sehr schwierig ist. Ich erkläre über einen sehr bildlichen Ansatz. Bestimmte Themen, die erst einmal schwierig und unnahbar erscheinen, breche ich herunter. Das ist etwas, das Frauen eher in Anspruch nehmen als Männer. Männer beschäftigen sich entweder berufsbedingt mit dem Thema oder gehen vielleicht von vornherein zu einem männlichen Berater und sprechen mit ihm auf einer anderen Ebene. Aber man kann nicht sagen, dass Frauen grün und Männer blau sind.

procontra online: Auf der DKM haben Sie an einer Diskussion zur Zukunft des Maklers teilgenommen. Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung für die Maklerschaft in den nächsten Jahren?

Brockerhoff: Die Branche hat ein Nachwuchsproblem. Bedingt durch den demografischen Wandel und verstärkt durch das schlechte Image. Wenn eine Branche erst einmal ein schlechtes Image hat, dann fragt man sich als junger Mensch, ob man in die Branche einsteigen will. Als ich in der Finanzbranche anfing, hatte der Beruf des Bankkaufmanns einen sehr guten Stand. Das hat sich verändert. Momentan ist die größte Herausforderung zu zeigen, dass Finanzberatung positiv verlaufen kann und dass es junge Menschen gibt, die sich dafür einsetzen, dass neue Modelle am Markt entstehen und neue Ideen durchgesetzt werden. Es braucht aber auch Medien, die genau dieses Positive nach außen tragen und nicht die nächste Schlagzeile suchen.

Jennifer Brockerhoff, Jahrgang 1978, erhielt anlässlich der Fachmesse DKM gemeinsam mit Sebastion Holfelder die Auszeichnung Jungmakler des Jahres. Die Finanzmaklerin gewann in der Kategorie "Neugründung",Sebastian Holfelder in der Kategorie "Kauf-/Übernahme".

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