Warum drücken wir uns um das Thema Pflege?

Berater von Peter Schmidt

„Pflege-Bahr“ und Pflegeleistungen sind in aller Munde. Wie kommt es dann aber, dass die Mehrzahl der Deutschen sich bei der zusätzlichen Pflegeabsicherung bisher zurückhält? Dr. Peter Schmidt rät Maklern in seiner Kolumne zur Offensive.

Nach Branchenangaben haben lediglich 1,88 Millionen eine private Pflegezusatzversicherung. Das heißt für Makler, dass bei 100 gefragten Kunden nur zwei sagen: „Ja, ich habe schon eine Pflegeversicherung“. Diese Zurückhaltung wird aber dank des „Pflege-Bahr“ enorm sinken. Eine Entwicklung wie bei Riester (Ende 2011 immerhin 15 Millionen Nutzer) ist absehbar.

Das verdängte Thema Pflege
Nun kann man sicher verstehen, dass Pflegebedürftigkeit zu den Themen gehört, die lieber verdrängt werden, weil man persönlich weit weg davon ist und es einen „sowieso nie persönlich trifft“. In Anbetracht von rund 2,3 Millionen Pflegefällen im Jahr 2011 dürfte es aber wohl in jedem Bekanntenkreis einen Fall von Pflegebedürftigkeit nach Schlaganfall oder anderen schweren Erkrankungen wie Demenz oder als Folge eines Unfall geben. Oder auch das medial platzierte Schicksal des Ex-Managers von Schalke04, zeigt anschaulich, welch tiefe Eingriffe es ins Leben eines Betroffenen und deren Familien gibt. Krankenhaus- oder Pflegeheimbesuche, Anträge auf Pflegestufe und  Pflegegeld, Suche nach Pflegekräften, pflegegerechte Umbauten in Wohnung oder Haus. Und alles kostet Geld! Die vom Gesetzgeber eingeleiteten Maßnahmen wie das neue Pflegezeitgesetz können helfen, beheben aber nur ansatzweise die finanziellen Auswirkungen.

In der Branche schätzt man, dass eine zertifizierte Pflege-Versicherung mit „Bahr-Förderung“ etwa 600 Euro Leistung bedeuten würde. Das heißt, mit rund 1000 Euro bliebe die Pflegelücke in Pflegestufe drei immer noch groß. Doch der  Weg der steuerlichen Förderung einer privaten Pflegezusatzabsicherung über „Pflege-Bahr“ ist trotz nicht ausreichendem Deckungsschutz für Pflegeaufwendungen richtig, denn er sensibilisiert die Deutschen, selbst etwas zu tun, für sich und ihre Familie.

Versicherer passen sich an

Stellt sich aber noch die Frage, warum Makler und Finanzberater in Sachen Pflege so wenig „in das Ohr“ der Kunden dringen. Vermeidet man das unangenehme Thema? Ist die Beratung zu komplex?
Ich denke, hier hat sich am Markt einiges getan. Auch die Versicherer haben verstanden. Mehrere Anbieter haben Gesundheitsfragen und Risikoprüfprozess stark vereinfacht. Teilweise werden dem Kunden nur noch zwei Gesundheitsfragen gestellt. Telefonische Hotlines, Beratungstools, Produktvideos oder vereinfachte Anträge erleichtern den Versicherungsvermittlern – ob Makler oder Ausschließlichkeit – ihre verantwortungsvolle Beratungsaufgabe. Eine Herausforderung, die von so manchem Kritiker in keiner Weise gewürdig wird. Auch beim Thema Pflege haben wir einen „Beratungsmarkt" und keinen „Kauf-Markt“.

Eigentlich braucht es nur noch den Anlass für die Kundenberatung. Und den bietet beispielsweise das Bundesministerium für Justiz mit den Broschüren zum Betreuungsrecht, der Patientenverfügung oder zur Vorsorgevollmacht. Ein Makler kann oder muss also den Bedarf beim Kunden nicht „wecken“ – der Bedarf ist da und es gilt, diesen Bedarf richtig abzusichern. Also, let's go !

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