Schwarz: „Trendwende hat sich bestätigt“

Versicherungen von procontra online

„Wir sind in der Schaden- und Unfallversicherung auf einem guten Weg“, meint Allianz-Finanzvorstand Rainer Schwarz. Die Allianz Deutschland hat am Montag ihre Halbjahresergebnisse vorgelegt. Der Finanzchef des Versicherers erläutert in einem Interview die wichtigsten Entwicklungen.

procontra online: Herr Schwarz, das Beitragswachstum in der Schaden- und Unfallversicherung setzt sich auch 2012 fort, nachdem Sie 2011 erstmals seit 2005 einen Zuwachs berichten konnten. Ist das die Trendwende?

Rainer Schwarz: Wir sind in der Schaden- und Unfallversicherung auf einem guten Weg. Unsere vielfältigen Maßnahmen, die wir in den vergangenen zwei Jahren eingeleitet haben, greifen. Dies gilt sowohl für den Vertrieb und die Produktentwicklung als auch für die konsequente Ausrichtung unserer Prozesse hin zur Erhöhung der Kundenzufriedenheit. Die Trendwende hat sich somit bestätigt.

procontra online:
Gerade in der Kfz-Versicherung gab es lange Probleme. Wie erklären Sie diesen positiven Trend?

Schwarz: Mit der klaren Aufstellung und Abgrenzung der Vertriebswege, vor allem bezüglich Ausschließlichkeitsorganisation, Allianz auto.online service (AAOS) und AllSecur, haben wir eine überzeugende und effektive vertriebliche Aufstellung geschaffen. Mit MeinAuto, das erste modular aufgebaute Produkt, das wir in der Schaden- und Unfallsversicherung auf den Markt gebracht haben, treffen wir den Bedarf unserer Kunden. Allein auf MeinAuto gingen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres fast die Hälfte der Neu- und Mehrbeiträge im privaten Kraftgeschäft zurück. Auch unsere neuen nach dem Baukastenprinzip funktionierenden Angebote in der Privaten Haftpflicht- und Privaten Hausratversicherung, die wir seit Mai verkaufen, sind sehr gut angelaufen.

procontra online: Ihre Schaden-Kosten-Quote liegt wieder unter 100 Prozent. Ist diese Entwicklung nachhaltig?

Schwarz:
Die Schaden-Kosten-Quote spiegelt sowohl die positive Beitragsentwicklung als auch die Verbesserungen in der Schadenbearbeitung in der Schaden- und Unfallversicherung wider. Dieser Erfolg zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, unser Ziel zu erreichen, bis zum Jahr 2014 die Schaden-Kosten-Quote auf 95 Prozent zu verbessern. Vor dem Hintergrund des bisher Geleisteten bin ich sehr zuversichtlich, dass uns dies gelingen wird.

procontra online: Dagegen ist der Umsatz in der Lebensversicherung, lange Zeit der Wachstumstreiber der Allianz Deutschland, rückläufig. Ist das die Reaktion der Kunden auf die schwierige Marktsituation und das niedrige Zinsumfeld?

Schwarz: Die Beitragseinnahmen in der Lebensversicherung nehmen derzeit im gesamten Markt ab – auch bei der Allianz. Grund sind rückläufige Einmalbeiträge, was wir nach den außerordentlich hohen Zuwächsen der vergangenen Jahre und vor dem Hintergrund der Kapitalmarktentwicklung erwartet haben. Bei den laufenden Beiträgen, die den größeren Anteil unseres Umsatzes ausmachen, konnten wir jedoch weiter zulegen. Die Lebensversicherung ist und bleibt eines der besten Produkte zur Altersvorsorge.

procontra online: Trotz der niedrigen Zinsen?

Schwarz: Wir haben 2011 eine Verzinsung unserer Kapitalanlagen von 4,6 Prozent erreicht, und bei den Neuanlagen im 1. Halbjahr 2012 eine durchschnittliche Rendite von knapp vier Prozent. Wir haben schon frühzeitig begonnen, uns auf das niedrige Zinsumfeld einzustellen. Zum Beispiel investieren wir zunehmend in Immobilien, Infrastrukturprojekte und erneuerbare Energien, die stabile Rückläufe aufweisen. Gerade die Allianz als großer Kapitalanleger ist in der Lage, das niedrige Zinsniveau über Jahre durchzustehen und für ihre Kunden verlässliche Renditen zu erwirtschaften.

procontra online: In der Krankenversicherung wächst vor allem die Zusatzversicherung. Wie bringen Sie Ihre Vollversicherung voran?

Schwarz: Unsere AktiMed-Produkte werden von den Kunden gut angenommen. Im Zuge der Einführung von Unisex-Tarifen werden wir noch weitere Produktverbesserungen vornehmen. Aber natürlich ist die derzeitige Diskussion um den Zustand und die Zukunft der privaten Krankenversicherung dem Verkauf nicht förderlich. In der Zusatzversicherung zahlen sich die Investitionen in neue Produkte, zum Beispiel in die Pflege- und Zahnversicherung jetzt aus.