Erträge der Lebensversicherer: „Netto-4“ fällt

Versicherungen von Matthias Hundt

Solvency II stellt neue Anforderungen an die Branche. procontra analysierte die Bilanzen der Lebensversicherer. Lesen Sie im ersten Teil der procontra-Serie zu Solvency II, wie es um die Erträge der Versicherer bestellt ist. Welcher Versicherer wird zukünftig in der Lage sein, den Anforderungen nachzukommen und gleichzeitig eine attraktive Rendite erzielen?

„Ich kann keine Prognose abgeben, wie lange die Branche das Zinsniveau von 4 Prozent noch halten kann“, wurde Maximilian Zimmerer, Allianz-Finanzchef, in verschiedenen Medien kürzlich zitiert. Die durchschnittliche Nettoverzinsung der Kapitalanlagen rutschte laut der Geschäftsberichte 2011 der Lebensversicherer mit 3,9 Prozent bereits unter diese Marke.

Wie effizient investieren die Versicherer?
Für den Kunden ist die Ertragsseite nach wie vor eines der wichtigsten Puzzleteile in seiner Police. Nachvollziehbar, denn was nützen die besten Kennzahlen bezüglich Finanzstärke und Geschäftsentwicklung, wenn die Verzinsung weit unter Marktschnitt liegt? Die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen gilt als Hauptüberschussquelle für die Versicherer. Sie berechnet sich aus dem Ergebnis der Kapitalanlagen im Verhältnis zu der mittleren Summe der Kapitalanlagen im Geschäftsjahr. Da Lebensversicherungen einen langfristigen Charakter aufweisen, sollten einzelne Ausschläge – nach oben wie unten – keine voreiligen Schlüsse auf die Qualität des Kapitalanlagemanagements des Versicherers nahelegen. Denn darum geht es: Wie effizient investiert der Versicherer seine Kapitalanlagen?




Um einzelne Anbieter miteinander zu vergleichen, ist es sinnvoller, mindestens einen Drei-Jahres-Zeitraum heranzuziehen. Hier konnte die Debeka als einziger Anbieter durchschnittlich eine Fünf vor dem Komma für die Jahre 2009 bis 2011 präsentieren, wenn auch 2011 die Nettoverzinsung nur noch bei 4,8 Prozent lag. Doch auch damit lag die Debeka vor der Swiss Life (4,7) und der WGV (4,7). Insgesamt mussten die Versicherer hohe Abschreibungen auf Kapitalanlagen, besonders auf Aktien, Inhaberschuldverschreibungen und Investmentanteile, hinnehmen. Folglich lag die Summe der Aufwendungen aus Kapitalanlagen deutlich höher als in den Jahren zuvor, wonach bei den 80 Anbietern unterm Strich eine durchschnittliche Nettoverzinsung von 3,9 Prozent stand (2010: 4,4 Prozent).


Für die Bewertung der Ertragslage der Lebensversicherer werden die durchschnittliche Nettoverzinsung der Kapitalanlagen der vergangenen drei Jahre sowie die relative Entwicklung des Rohüberschusses nach Steuern herangezogen. Bestandteile des Rohüberschusses sind der Jahresüberschuss nach Organumlage und eventueller Gewinnabführungsverträge, die Zuführung zur RfB sowie die Direktgutschriften. Das Ergebnis der Nettoverzinsung beeinflusst die Note stärker als die Rohüberschussentwicklung.
Für die Analyse werden jeweils die zurückliegenden drei Geschäftsjahre betrachtet, um die Kontinuität in den Vordergrund zu stellen. Als Benchmark dient der jeweilige Marktschnitt, um zusätzlich eine Aussage über den Stand innerhalb des LV-Marktes treffen zu können. Unternehmen mit der Höchstnote 1++ wiesen im Betrachtungszeitraum ein außerordentliches Ergebnis im Vergleich zum Wettbewerb nach.