Allianz kopiert Autobauer

Versicherungen von Oranus Mahmoodi

In einem Interview erklärt der Deutschland-Chef der Allianz, Markus Rieß, die neue Vertriebs- und Produktpolitik des Marktführers. Rieß nimmt sich die Autobranche zum Vorbild. Die Allianz möchte ihr Produktangebot umkrempeln und in allen Sparten Baukastenangebote offerieren. Im Gewerbekundengeschäft lässt der Deutschland-Chef ein modulares Konzept entwickeln. Größeren Kunden bietet der Versicherer weiterhin individuelle Lösungen an.

Die Allianz Deutschland krempelt ihre Produktpalette um. Ähnlich wie in der Autoversicherung, in der die neuen Policen schon 2011 zum Standard wurden, möchte der Deutschland-Chef in fast allen Sparten Baukastenangebote offerieren. Als Vorbild sieht Rieß die Autohersteller, die nach diesem Prinzip verfahren. „Das führen wir jetzt auch in den Sparten Hausrat und Haftpflicht ein, dann folgen die Wohngebäudeversicherung und Rechtsschutz“, sagt Rieß in einem Interview mit der Financial Times Deutschland (FTD).

2015 soll die Unfallversicherung ebenfalls nach dem Baukastenprinzip funkionieren. Das Gewerbekundengeschäft wird auch modulare konzipiert. Die großen Kunden werden von der Allianz auch künftig individuell betreut. Die meisten Versicherer haben bislang eine Einheitspolice. Bei der Allianz kann der Kunde Bausteine dazu- oder abwählen. Rieß hat kein leichtes Spiel. Während das Unternehmen in der Lebensversicherung noch unangefochtener Marktführer ist, verliert die Allianz Marktanteile in der Autoversicherung und der privaten Krankenvollversicherung. 

Rieß verändert den Vertrieb und setzt auf die Kombination aus Vertretern und Internetangeboten.  Dafür betreibt der Versicherer den Onlinevertrieb Allsecur und den Auto Online Service (AAOS), bei dem Kunden im Internet beim Vertreter abschließen und von ihm betreut werden. „Über AAOS haben wir inzwischen 295.000 Kraftfahrzeuge versichert“, freut sich Rieß. 625.000 Autos sind über Onlinewege versichert, von insgesamt 8,12 Millionen versicherten Autos bei der Allianz. 

Rieß packt auch die Dauerbaustelle Schadenbearbeitung an. Der Versicherer hatte 2006 die Schadenbearbeitung zentralisiert. Rieß hat wieder die Bearbeitung durch einen Sachbearbeiter eingeführt. „Das war ein häufiger Grund für Unzufriedenheit bei Kunden und Vertretern“, sagt er. „Wir haben das Ziel, die Schadenbearbeitung zu beschleunigen und damit die fallabschließende Bearbeitung zu forcieren.“ An der separaten Vertriebsgesellschaft will Rieß nicht rütteln.

Fotocredit: © Superingo - Fotolia.com

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