Wasch mich...

Investmentfonds von Robert Krüger-Kassissa


Mehr Wille und Durchsetzungskraft scheint beim Thema Mindeststandards für nachhaltige Geldanlagen von der Partei der Grünen auszugehen. In einem Antrag hat sie bereits Anfang 2010 konkrete Mindeststandards gefordert. 2011 gab es dann eine Anhörung im Bundestag, bei der auch verschiedene Lobbygruppen zugegen waren. „Diese Forderung nach Mindeststandards erhält nun durch die Ergebnisse der Studie eine weitere Legitimation. Deshalb werden wir uns weiter dafür starkmachen und damit beschäftigen, wie diese Mindeststandards genau aussehen könnten. Die eigentliche Initiative muss dann natürlich von der Regierungsseite ausgehen, um eine Chance auf tatsächliche Umsetzung zu haben“, sagt Dr. Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Fraktion.  „Wir fordern dazu eine Initiative der  Bundesregierung, aber bislang passiert auf diesem Feld leider nichts.“ Lobbyverbände wie der Bund deutscher Banken, der BVI, der Verband öffentlicher Banken und der Verband der Auslandsbanken sprachen sich in Stellungnahmen 2011 gegen weitere Regulierungsschritte auf dem Gebiet der nachhaltigen Anlagen aus. „Bei nachhaltigen Investments spielen ethische Grundsätze eine große Rolle. Die sehr unterschiedlichen Wertvorstellungen erschweren eine einheitliche Definition“, begründet ein Sprecher des BVI.

Investoren haben klare Vorstellung
So unterschiedlich beziehungsweise wenig greifbar sind jedoch die Vorstellungen gar nicht, wie die Ergebnisse einer ECOSTAMP-Umfrage zeigen (siehe Kasten). „Wenn man Anleger fragt, so haben sie eine ziemlich genaue Vorstellung, in was sie nicht investieren wollen“, sagt Andrew Murphy, Geschäftsführer von Murphy & Spitz. So gehörten eine BP oder Tepco nicht in ein nachhaltiges Portfolio. „Das kommt allerdings bei statischen und realitätsfernen Modellen wie beispielsweise dem Best-in-Class-Ansatz immer wieder vor.“ Auch der FNG-Matrix räumt Murphy wenig Ansätze zur Problemlösung ein. „Bei der Einführung von Mindeststandards sollte eine breite Markttiefe erreicht werden und daher ein Stufen- beziehungsweise Ratingmodell bevorzugt werden, mit dem auch konventionelle Marktteilnehmer leben können.“ Es sollte zudem auf Anhieb verständlich und nachvollziehbar sein. Ein Matrix- oder Punkte-Konzept vertiefe nur das Problem. „Mit einer klaren Definition von Nachhaltigkeit kann der Siegeszug des nachhaltigen Investments beginnen.“



Siegel-Dschungel in anderen Bereichen
Beim Streit in der Branche der nachhaltigen Geldanlagen um das Thema Siegel und Standards hilft vielleicht ein Blick in andere Branchen wie Lebensmittel, Textilien oder Holz und Werkstoffe. „Das Thema nachhaltige Kapitalanlage ist sehr komplex und die Anforderungen der Anleger sind sehr unterschiedlich, weshalb differenzierte Nachhaltigkeitsansätze erforderlich sind. Vergleiche mit anderen Branchen wie zum Beispiel der Lebensmittelbranche sind daher schwerlich möglich“, schränkt hingegen ein Sprecher von Union Investment ein. Ganz anders sieht das Murphy, der die Markteinführung des EU-Biosiegels hautnah mitverfolgt hat. „Die Naturkostbranche war vor Einführung des Bio-Siegels sehr skeptisch, letztendlich ist damit aber ein gordischer Knoten durchschlagen worden.“ Der Erfolg der Branche basiere im Wesentlichen auf dem Vertrauen und der Klarheit, die das Ökosiegel bewirkt. „Ich wünsche mir solch einen Befreiungsschlag für alle Marktteilnehmer nachhaltiger Investments. Es wäre ein Gebot der Fairness gegenüber den Investoren.“

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