Wasch mich...

Investmentfonds von Robert Krüger-Kassissa


Insgesamt fällt das Fazit der Studie ernüchternd aus: Da kein einheitlicher Mindeststandard existiert und viele Anbieter eigene Herangehensweisen pflegen, bleibt Investoren nichts anderes übrig, als sich mit jedem Fonds einzeln zu beschäftigen, was einen enormen Zeitaufwand bedeutet. Anleger, die nicht genau hinschauen, investieren mit ihren Nachhaltigkeitsfonds unter Umständen in Panzer, Maschinenpistolen, Uranminen oder Tiefseebohrungen – und dabei wurden heikle soziale und ethische Fragestellungen wie Kinderarbeit oder Menschenrechtsverletzungen in der Studie noch nicht einmal untersucht.

Forum Nachhaltige Geldanlagen not amused
Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) zeigte sich in einer Stellungnahme zur Studie nicht wirklich begeistert. Zwar „freut sich das FNG darüber, dass die Studie Fragen zur Qualität nachhaltiger Anlagen explizit adressiert, aber trotz des auf den ersten Blick investigativen Charakters der Untersuchung und zunächst schlüssig klingender Argumentationsweise zieht der Autor zum Teil unbegründete Schlussfolgerungen.“ Das FNG bemängelt beispielsweise, dass viele untersuchte Fonds kritisiert werden, obwohl ihre Investments der von ihnen angegebenen Strategie entsprechen.
Da es keine einheitlichen und/oder verbindlichen Mindeststandards für nachhaltige Anlagen gibt, könne den Anbietern nicht vorgeworfen werden, eigene Definitionen anzuwenden. Zudem lege der Studienautor eine eigene, implizite Vorstellung zum Umfang des Begriffs Nachhaltigkeit und den damit verbundenen Mindeststandards zugrunde. „Die Studie stellt die Fakten dar, sie kritisiert keine Fonds. Diese Formulierung kommt vom FNG. Es geht auch nicht um meine eigenen Nachhaltigkeitsvorstellungen, sondern um Anforderungen, die nachhaltig orientierte Anleger haben können“, entgegnet Bettzieche.

Die alte Frage nach Siegeln
Bereits seit 2007 beschäftigt sich das FNG mit dem Thema Label und Mindeststandards in Zusammenarbeit mit verschiedenen Vertretern aus Politik, Nichtregierungs- und Verbraucherschutzorganisationen sowie der Stiftung Warentest. Vorzeigbare Ergebnisse gibt es jedoch bis heute nicht. „Das Ergebnis lässt sich eindeutig als Uneinigkeit hinsichtlich der Vorgaben oder der Einführung eines Labels beziehungsweise Siegels beschreiben“, erklärt Volker Weber, Vorsitzender des Vorstands des FNG. Im vergangenen Jahr wurde dann die Arbeitsgruppe Label beschlossen, deren „erster Wurf“ im Herbst vorliegen soll. Neben der AG Label gibt es eine weitere Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema Transparenz bei Nachhaltigkeitsfonds beschäftigt und zusammen mit Finanzberatern die FNG-Matrix entwickelte, die schnell und übersichtlich einen Überblick über die Funktionsweise des jeweiligen Fondsprodukts gibt. Das Forum stellt sie Anfang Juni vor. Während auf Anbieterseite wenig Bewegung zu erkennen ist, befürwortet Weber die Einführung von Mindeststandards. „Allerdings ist es nicht ganz trivial, den richtigen Standard zu treffen, denn wie beispielsweise beim Begriff Gerechtigkeit empfindet auch jeder beim Begriff Nachhaltigkeit unterschiedliche Anforderungen.“

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