Schau‘n mer mal

Berater Sachwerte von Marc Oehme

Passend zum laufenden Großereignis verbindet erneut ein Anbieter Fußball-Transfergeschäfte und geschlossene Beteiligungen. procontra schaut auf das aktuelle Angebot und die bisherigen Flops anderer Anbieter.

Treffend zur derzeitigen Fußballeuphorie präsentiert sich die Hanseatisches Fußball Kontor GmbH aus Schwerin seit einigen Wochen mit ihrem Spezialfonds FTR 2 Fußball GmbH & Co. KG. Die Grundidee der Blind-Pool-Konstruktion, analog zum im Oktober 2010 aufgelegten und inzwischen ausplatzierten Vorgängerfonds: Es wird in die Transferrechte von Fußballspielern investiert. Bei entsprechend positiver Entwicklung der ausgesuchten jungen Talente partizipieren die Anleger an den Transfererlösen. Im Vergleich zum Vorgängermodell wurden beim FTR2 einige Modifikationen vorgenommen. So stellt beispielsweise das prospektierte Ergebnis den Anleger mit 140 Prozent (FTR1: 138) bei einer geplanten Laufzeit bis 2015 besser. Vor dem Hintergrund, dass beim neuen Angebot keine Rückabwicklungsoption eingeräumt ist und zudem die Provision auf maximal 12 Prozent (7 Prozent innen plus 5 Prozent Agio) erhöht wurde, soll sich der Fonds nun besser platzieren als der Vorgänger. Dieser konnte anstatt der erhofften Summe von maximal zehn Millionen Euro am Ende gerade einmal mit 337.000 Euro geschlossen werden. „Leider haben wir zwar wenig einsammeln können, aber wir wollten den Beweis antreten, dass seriös abgewickelt, investiert und hoffentlich schon bald ausgeschüttet werden kann“, so Jörg Zeitz, Geschäftsführer des Emissionshauses. Im ersten Schritt sollen nun bis Mitte 2013 über die Vertriebskanäle ambitionierte zehn Millionen Euro (mit Erhöhungsoption auf 20 Millionen) eingesammelt werden.

Karriere-Aus als Risiko

Bei der Suche nach Stars von morgen helfen bei den FTR-Fonds die Hamburger Spielervermittlungs- und -beratungsagentur extratime sowie der ehemalige HSV-Profi und heutige Talent-Scout Harald Spörl. Bis dato mit Erfolg, konnten doch bereits das erste finanzielle Spieler-Transferrecht erfolgreich verkauft und eine erste Abschlagszahlung von 50.000 Euro verbucht werden. Die Investitionen werden dabei wohl verstärkt in junge Talente von Mannschaften aus der dritten Liga erfolgen. Fraglich bleibt hier, ob sich in der dritten Liga größere Transfers erzielen lassen, wie die Zahlen von transfermarkt.de (siehe Grafik) zeigen. Auf der anderen Seite zeigen Beispiele wie der letztjährige Wechsel von Chris Löwe (kam aus der Chemnitzer Jugend und wechselte für 200.000 Euro zu Borussia Dortmund), dass bei der richtigen Spielerauswahl auch Geld verdient werden kann – auch wenn der deutsche Markt grundsätzlich im Vergleich zu England oder Spanien nicht unbedingt mit gigantischen Transferablösen wuchert.
Probleme könnten für den Fonds eintreten, wenn sich Spieler nicht entsprechend entwickeln, Sportinvalide werden, ablösefrei zu einem anderen Verein gehen oder mehrere Spieler ihre Verträge erfüllen. Um hier den Fonds vor einem wirtschaftlichen Einbruch zu schützen, wird das Rechteportfolio zu seinem Einstandswert beispielsweise gegen Invalidität und Tod des Spielers versichert. Ergänzend wird im Vertrag zwischen Verein und Fonds geregelt, dass im Falle der Ablösefreiheit oder der Vertragsablaufs der Verein dem Fonds das Investment erstatten muss. „Diese Regelungen führen zwar noch nicht zu einer positiven Rendite, verhindern aber einen Totalverlust des jeweiligen Investments“, erklärt Kai-Volker Langhinrichs, Geschäftsführer der Hanseatisches Fußball Kontor GmbH, gegenüber procontra.

Bisherige Modelle floppten
Beteiligungen, die mit Fußballspieler-Verkäufen Geld verdienen wollten, gab es in der Vergangenheit einige. Gründungsvater der deutschen Fußballfonds war Manfred Ommer, Finanzdienstleister und ehemals Präsident des damaligen Bundesligisten FC Homburg. Über vier geschlossene Fonds sammelte Ommer teilweise sechsstellige DM-Summen bei privaten Anlegern ein und investierte das Geld in zwei Dutzend Spieler. Der Clou: Die eingekauften Kicker wurden gegen eine Art Leasinggebühr (zwischen 15 und 25 Prozent der Ablösesumme) an finanziell klamme Vereine wie den FC Homburg abgegeben. Zudem gingen Transfereinnahmen beim Verkauf des Spielers an den Fonds. Am Ende mussten die Anleger jedoch feststellen, dass die Spieler nur selten mit Gewinn weiterverkauft werden konnten. Zu den Kosten für den Fonds, Treuhänder, die Verwaltung und den Vertrieb kam auch noch, dass manche Vereine Probleme mit der Zahlung der Leasingrate hatten. Die Rückzahlungen an die Fondssparer stockten und wurden am Ende ganz eingestellt.

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