PKV: Studie attestiert Tarifdschungel

Versicherungen Berater von Gloria Ballhause

Privat Versicherte bekommen weniger Leistungen als gesetzlich Versicherte. So lautet die Einschätzung einer am Montag veröffentlichten Studie zum Krankenversicherungssystem in Deutschland. Die PKV habe ein Transparenz- und Leistungskatalogproblem, bilanzieren die Studienautoren.

Schuld an der Misere ist laut Studie der Tarifdschungel bei den privaten Krankenversicherern (PKV). Experten des Instituts für Mikrodaten-Analyse und der Beratungsfirma Premium Circle verglichen Tarifbestandteile der PKV mit dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). „Mehr als 80 Prozent der Tarifsysteme der PKV leisten weniger als die gesetzliche Krankenversicherung“, sagt Claus-Dieter Gorr, Premium Circle-Chef, gegenüber Spiegel-Online.

Die Autoren rechnen vor: Bei den 32 für die Studie untersuchten PKV-Unternehmen existieren 208 Tarifsysteme. Innerhalb dieser könnten wiederum 1.567 Kombinationen bezüglich des Leistungskatalogs abgeleitet werden. Somit sehe sich der Kunde einem Versicherungsmarkt mit 250.000 unterschiedlichen Preisen gegenüber.

Zuviel für den Einzelnen: Privat Versicherte können laut Studie nicht mehr nachvollziehen, welche Leistungen sie im Krankheitsfall benötigen und welche nicht. Am Ende bekommen sie dann weniger als die gesetzlich Versicherten. Trete der Krankheitsfall ein, müssten die Versicherten „mit teilweise existentiellen Leistungsausfällen“ rechnen, so das Fazit der Autoren.

Der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) widerspricht. Der Unterschied zwischen gesetzlicher und privater Versicherung sei gerade die Wahlfreiheit, Leistungen ein- oder auszuschließen, heißt es in einem Statement des PKV-Verbands. Bei älteren Tarifen, die neuere medizinische Heilungsmethoden gar nicht einschließen könnten, würden in der Regel die Kosten für diese Therapien erstattet. „Umfragen renommierter Meinungsforschungsinstitute ermitteln regelmäßig Spitzenwerte von 90 und mehr Prozent Kundenzufriedenheit. Nach der jüngsten Emnid-Umfrage von diesem Frühjahr sind es sogar 96 Prozent“, argumentiert der Verband.

Auch Makler und Vertriebe bekommen in der Studie ihr Fett weg: Ihre Provisionsfixierung führe nach Ansicht der Experten dazu, dass Kunden in Billig-Tarife gelockt werden. Im Krankheitsfall erhalten diese dann viele Leistungen nicht. „Die Ausgestaltung der Leistungskataloge und der Vertriebsmarkt haben sich in den letzten zwanzig Jahren wegen fehlender politischer Leitplanken verselbständigt“, heißt es in der Studie. Der Vertriebsmarkt müsse grundlegend neu geordnet werden.

Die Vorschläge der Studienautoren sind altbekannt: Abschlussprovisionen senken und Bestandsprovisionen erhöhen, so das Motto der Experten. Zusätzlich seien für die Korrektur des Marktes transparente Pflichtangaben über den Leistungskatalog notwendig. Mindestkriterien als Richtschnur für Versicherungsbedingungen sollten aus Sicht der Studienautoren ebenso umgesetzt werden.

Fotocredit: matthias21 - Fotolia.com

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