Makler: Social Media kaum genutzt

Berater von Matthias Hundt

Trends, Missstände, Bedürfnisse – die procontra-Vermittlerstudie 2012 zeigt, wie es um die Zusammenarbeit zwischen Maklern und Versicherern bestellt ist. Teil 2: Makler und Social Media.

Die Auswertung der diesjährigen procontra-Vermittlerstudie ermöglicht wieder interessante Einblicke in die Zusammenarbeit zwischen Maklern und Versicherern. Dabei gaben die befragten Berater überraschende Erkenntnisse preis. So wird etwa das Thema Soziale Netzwerke im Bereich der Finanzdienstleistung völlig überschätzt beziehungsweise von beiden Seiten noch nicht optimal ausgenutzt. Hier bezeichnen die Berater die gelieferten Mehrwerte der Assekuranzen auf ihren Plattformen als überwiegend gering und messen der ganzen Thematik ohnehin nur eine geringe Bedeutung bei.

Ein Grund für das ungenutzte Social-Media-Potenzial liegt sicher auch in der Altersstruktur der Teilnehmer. Über drei Viertel sind bereits länger als zehn Jahre im Geschäft. Es ist daher anzunehmen, dass sie der Generation angehören, die mit dem Thema Social Media noch wenig Berührungspunkte hat. Die 19 Prozent, die laut Eigenauskunft in gar keinem Sozialen Netzwerk selbst aktiv sind, stammen fast ausschließlich aus der Teilnehmergruppe, die schon über 20 Jahre in der Branche aktiv ist. Hier wird es in den kommenden Jahren interessant sein zu beobachten, wie und ob sich die Kommunikation zwischen Versicherer und der Maklergeneration, die mit Facebook & Co. quasi aufwächst, verändert.



Kaum Mehrwerte für Makler
Im Vorjahr gaben noch 40 Prozent der Befragten an, den Versicherern niemals auf ihren Plattformen zu „folgen“. Dieser Anteil verringerte sich deutlich auf 20,2 Prozent. Dennoch folgen Makler den Versicherern noch selten. Nur 12,5 Prozent tun dies regelmäßig. Das könnte daran liegen, dass das „Folgen“ eher ein klassisches Twitter- und Facebook-Tool ist. Die Makler selbst nutzen allerdings hauptsächlich XING als Social-Media-Plattform. 59,9 Prozent sind dort aktiv, Facebook (47,2) und Twitter (20,2) hängen deutlich zurück. Insgesamt liegt den befragten Teilnehmern nicht so viel daran, ob ein Versicherer in der Social-Media-Welt aktiv ist. Rund der Hälfte (51,1 Prozent) ist es egal, nicht einmal 10 Prozent erachten diese Präsenz als wichtig oder gar notwendig.
Um das zu ändern, müsste sich wahrscheinlich zunächst die Qualität der verbreiteten Inhalte erhöhen. Zwei Drittel bewerten sie als gering. Über 5 Prozent sehen überhaupt keinen Mehrwert in diesen Informationen der Assekuranzen. Vielleicht sind sie bislang auch nicht die Hauptzielgruppe der Versicherer auf diesen Plattformen, sondern eher der Endkunde. „Konkret für Makler verbreiten wir noch keine gezielten Informationen über Soziale Netzwerke. Hier arbeiten wir aber an einer Social-Media-Strategie, die die zukünftige Kommunikation mit der Maklerschaft aufgreifen wird“, verrät Wilkens von der HanseMerkur. Sein Unternehmen bedient bereits Plattformen wie Facebook, XING und Twitter und stellt nach eigenen Angaben auch auf YouTube unternehmensrelevante Videos ein.

Ganz anders agiert bislang der VOLKSWOHL BUND. „Wir sehen derzeit keine Notwendigkeit einer eigenen Präsenz. Einzelne regionale Maklerbetreuer sind zum Beispiel über XING aktiv, um ihr persönliches Netzwerk mit aktuellen Informationen zu versorgen. Dennoch beobachten wir die Entwicklung auf dem Markt sehr genau“, so Sprecherin Szydlak. Dem wird sich in naher Zukunft auch kein anderes Unternehmen entziehen können. Allein in Deutschland nutzen einer aktuellen IT-Analyse von Social Bakers zufolge rund 23,5 Millionen User Facebook. Nur die vergangenen sechs Monate betrachtet, bedeutete dies fast zwei Millionen Neuanmeldungen. Auch hier werden Kommunikationsstrategien darüber entscheiden, ob der Makler als Zielgruppe dort abgeholt werden kann und dieser letztlich den Mehrwert, den er noch vermisst, bekommt.

Lesen Sie ab 3. 7. im 3. Teil: BU-Policen in der Maklerpraxis.

Der procontra-Vermittlerstudie 2012 liegen 284 auswertbare Antwortbögen zugrunde. Der Rückgang der Teilnehmerzahl (Vorjahr: 411) ist vor allem dem kürzeren Befragungszeitraum (April bis Mai) zuzuschreiben, der in den kommenden Jahren wieder erweitert werden wird.