Leitfaden gegen die Schadensquote

Versicherungen von Gloria Ballhause

Mehr als eine Million Solaranlagen befinden sich laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf deutschen Dächern. Die Versicherer rechnen mit einem Anstieg der Schadensquoten für diese Anlagen. Ein neuer Leitfaden für Betreiber von Solaranlagen soll Schadensquellen minimieren.

Der vom GDV herausgegebene technische Leitfaden richtet sich an Planer, Installateure und Betreiber von Solaranlagen. Derzeit gebe es eine Vielfalt von Fehlern beim Bau von Solaranlagen. Besonders Fehler in der Planungsphase würden vermeidbare Schäden verursachen. Die Folge von Planungsfehlern sind jedoch Rückzieher der Versicherer. „Wenn bei größeren Photovoltaikanlagen nicht fachgerecht gearbeitet wurde, übernimmt der Versicherer das Risiko nur unter Auflagen oder bietet keinen Schutz an“, sagt Bernhard Gause,  Mitglied der GDV-Hauptgeschäftsführung.

Der Klassiker unter den Planungsfehlern ist die Montage. „Die Dachstatistik wird nicht richtig berechnet, es werden falsche Annahmen über die Schneelast getroffen und unterdimensionierte Gestelle installiert“, meint Gause. Aktuell wird besonders schnell gebaut. Denn die Subventionen für Solarstrom werden zurückgefahren. Dafür gelten verschiedenen Terminvorgaben, bis wann eine Anlage in Betrieb genommen sein muss, um noch nach dem alten Modell vergütet zu werden. „Wegen der Terminvorgaben für die Einspeisevergütung wird sehr schnell gebaut. Die Anlagen sollen schnell fertig werden“, bestätigt Christian Lübke vom GDV. Normenvorgaben stünden da schon mal hinten an. „Man verschiebt das sachgerechte Bauen nach hinten und will im Nachhinein die Anlage ausbessern“, sagt Lübke.

Die Schadensquoten von Photovoltaikanlagen betragen laut GDV im Durchschnitt derzeit rund 50 Prozent. Dies werde aber nicht so bleiben. „Die Anlagen werden immer älter. Wir rechnen damit, dass in fünf Jahren die Schadensquoten steigen werden“, sagt Lübke. Ab einer Schadensquote von 70 Prozent rechne sich das für die Versicherer jedoch nicht mehr, meint Lübke. Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit bis sich die Versicherer aus dem Geschäft zurückziehen. Lübke vergleicht dies mit der Windenergiebranche. „Bei den  Windanlagen war das so. Da gibt es nur noch eine Handvoll Versicherer, weil die Schadensquoten zu hoch geworden sind“, sagt Lübke.

 

Fotocredit: Roman Sakhno - Fotolia.com

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