Arag-Chef verzichtet hierzulande auf Rechtsschutz

Versicherungen

Paul-Otto Faßbender baut die Arag um: Weg vom deutschen Rechtsschutzmarkt und hinein ins Krankenversicherungsgeschäft. Faßbender, der gerne im Scheinwerferlicht steht, kritisiert zudem die Branche. Ihn stört das Klagen über die Komplexität von Solvency II. Auf der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch präsentiert Faßbender das Unternehmen als leistungsfähig und solide.

Der Rechtsschutzversicherer verdient im Inland mehr Geld als in seinem Kerngeschäft. Rechtsschutz verkauft die Arag eher im Ausland. Der Versicherer versucht in Deutschland den Umsatzrückgang in Grenzen zu halten und die Gewinnmarge zu erhöhen. „Der ARAG Konzern wächst, verdient im Krisenmodus der Finanzmärkte gutes Geld und ist weiterhin solide kapitalisiert“, sagt Paul-Otto Faßbender, Vorstandsvorsitzender der ARAG bei der Bilanzvorlage. Das Familienunternehmen habe seine Beitragseinnahmen im In- und Ausland trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen um 2,8 Prozent von 1,43 Milliarden Euro auf 1,47 Milliarden Euro ausgebaut.

Die Gesamtleistung inklusive der Dienstleistungsgesellschaften des Konzerns stieg von 1,49 Milliarden Euro auf 1,51 Milliarden Euro. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit habe mit 49,9 Millionen Euro ein weiterhin gutes Niveau (Vorjahr: 64,2 Millionen €) erreicht. Die deutliche Steigerung des versicherungstechnischen Ergebnisses um 144 Prozent auf 40,3 Millionen Euro unterstreiche die operative Leistungsfähigkeit des Konzerns, so Faßbender.

„Wir verändern das gesamte Unternehmen von Grund auf. Dieser Prozess gewinnt zunehmend an Dynamik und tritt deutlicher sichtbar hervor“, sagt der Eigentümer gegenüber Handelsblatt. Die Neuordnung des europäischen Geschäfts sei dabei ein zentraler Baustein. Es ginge darum, Komplexität abzubauen sowie Risiken zu managen. Reine Spezialisten mit einer Monokultur seien krisenanfälliger in Zeiten wie diesen. Das Krankenversicherungsgeschäft in Deutschland sei das wachstumsstärkste Segment im Versicherungsgeschäft. Die Bruttobeitragseinnahmen in diesem Bereich übertrafen das deutsche Rechtsschutzgeschäfts. Darum will Faßbender, der Alleineigentümer der Arag ist, sein Geschäft in Deutschland umbauen.

Der Vorstandsvorsitzende kritisiert zudem die Zweifler von Solvency II. Nach der EU-Regelung müssen alle Versicherer für ihre Risiken bestimmte Summen Eigenkapital vorhalten. Anfang des Jahres hat etwa die Gothaer erklärt, sie werde das interne Modell nicht weiterverfolgen. Ursprünglich wollten 29 Unternehmen ein internes Modell entwickeln - nach Angaben der BaFin sind aber nur noch zehn übrig geblieben.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare